Kommen alle mit?

Geplanter Fahrstuhl am Ochsenzoll lässt manche Behinderte vor der Haltestelle stehen

Von Stefanie Nowatzky
Langenhorn Ute Naumann sitzt in ihrem Elektrorollstuhl und manövriert. Auf dem Boden ist mit blauer Kreide ein 1.40 mal 2.10 Meter großes Rechteck aufgemalt, so groß soll der neue Fahrstuhl am Ochsenzoll Bahnhof werden. Doch für Ute Naumann , die aufgrund ihrer Krankheit auf den Rollstuhl angewiesen ist, wird auch der neue Fahrstuhl keinen Zugang zum Bahnhof ermöglichen.
Ute Naumann jongliert mit ihrem Rollstuhl auf der für den Fahrstuhl vorgesehenen Grundfläche. "Wenn der Fahrstuhl sich dann bewegt, reagiert der Rollstuhl auch noch anders", erklärt sie. Foto Nowatzky
Denn für den zukünftig als barrierefreien Bahnhof ausgelegten U-Bahnhof wird ein Fahrstuhl mit Türen übereck eingebaut. Während der Fahrt muss der Rollstuhlfahrer also manövrieren, um am anderen Ende im rechten Winkel zum Eingang herauszufahren. "Kein Problem", meinte Johannes Kröhn, Geschäftsführer der Hamburger Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen (LAG) die von der Hochbahn an der Planung beteiligt wurde. Seine Aussage gegenüber dem Wochenblatt, wer mit dem Rollstuhl umgehen könne, bleibe auch nicht in diesem Fahrstuhl stecken, enttäuscht Ute Naumann: "Ich bin verletzt und wütend", so die 52-jährige. Bei einem Ortstermin, zu dem auch Klaus Kröger, Vorsitzender der zur SPD gehörenden Behindertenorganisation "Selbst aktiv", geladen war, stellte sich heraus: "Hier wurde ein Fahrstuhl geplant, der nicht für alle Rollies geeignet ist", so Kröger, selbst durch eine Erblindung behindert. "Ein Durchlader, ein Fahrstuhl, bei dem die Rollies auf der einen Seite rein und in gerader Strecke auf der anderen Seite wieder rausfahren, wäre ideal." Dieser ist aber nach Auskunft der Hochbahn auf dieser Seite nicht realisierbar. Der Bahnhof Ochsenzoll stammt aus dem Jahr 1920, der Komplex, in dem der neue Fahrstuhl eingebaut wird, aus den 60er Jahren. Bereits so muss eine Treppe dem neuen Aufzug weichen. Hochbahnsprecherin Christina Becker: "Dass es entsprechend baukonstruktive und städteräumliche Einschränkungen gibt, ist klar - wir können die Haltestelle nicht neu bauen." Der Eckfahrstuhl, der zudem größer sei als die Mindestanforderung, sei da eine gute Lösung. Ein gleichartiges Modell sei auch schon in der U-Bahnhaltestelle Horner Rennbahn integriert worden, ohne Beschwerden. Obwohl bei der Planung laut Hochbahn viele Institutionen wie die LAG mit gehört wurden, wird der Fahrstuhl für Ute Naumann und viele weitere Rolliefahrer nicht nutzbar sein. Sie hätten sich einen entsprechend geplanten Fahrstuhl auf der anderen Seite der Langenhorner Chaussee gewünscht, statt der jetzt vorhandenen Rolltreppe.
Genau hinter dieser Glaswand soll der Fahrstuhl zukünftig fahren. Während Rolf Zachow (r.) mit seinem Rollie den Aufzug nutzen könnte, bliebe die Haltestelle für Uta Naumann weiter unerreichbar. Mitte: Klaus Kröger von "selbst aktiv". Foto Nowatzky
Doch laut Hochbahn spräche mehr für den jetzigen Standort: Der belebtere Haupteingang böte schneller auch einmal helfende Hände anderer Fahrgäste, der Weg zum Bahnsteig sei kürzer, zusätzlich zu den Alten- und Pflegeheimen auf beiden Seiten wäre auf dieser Seite noch die Asklepios-Klinik. "Auch vor dem Hintergrund des Umfeldes ist dies die bestmögliche Lösung", so Becker. Ute Naumann und auch Klaus Kröger wollen diese Entscheidung nicht hinnehmen. "Ich berichte über die SPD direkt an den Bürgermeister", sagt Kröger und hofft, dass es auf diesem Weg noch zu einer anderen Lösung für die Rollstuhlfahrer kommt.
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 12 2015