Für ein buntes und freies Norderstedt

Kundgebung "Eine Stadt für alle" auf dem Rathausmarkt

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Gerade ist die Nachricht von der Landesregierung gekommen, dass Norderstedt in diesem Jahr mit 600 fast doppelt so viele Asylsuchende wie zunächst angenommen unterbringen muss. Für eine Stadt mit fast 80.000 Einwohnern prozentual nicht viel, dennoch eine Herausforderung. Neben der Unterbringungen auch die Integration der Flüchtlinge in die Norderstedter Gesellschaft voranzubringen, fordert vor allem auch privates Engagement, wie im Verein "Willkommen-Team Norderstedt". "Das Willkommen der Asylanten wird von der Zivilgesellschaft entschieden", meint auch Gymnasiallehrer Wolfgang Blankschein und startete den Aufruf "Eine Stadt für alle - No9rderstedt ist weltoffen". Der gebürtige Lübecker unterrichtet schon seit mehreren Jahren auch die DaZ-Kurse, kurz für Deutsch als Zweitsprache, in denen viele Flüchtlingskinder erste Sprachkenntnisse erwerben. In vielen Klassen und Kursen unterrichtet er als Deutsch- und Philosophielehrer Kinder und Jugendliche mit Eltern oder Großeltern "aus aller Welt", wie er sagt. Und gerade die Philosophie-Kurse, die er am Coppernicus-Gymnasium unterrichtet, bringen ihn immer wieder in die Situation, Atheisten und zum Teil strenggläubige Muslime gemeinsam zu unterrichten. Eine spannende Aufgabe, wie der 62-jährige findet. Jetzt will er mehr Menschen zu Toleranz und gegen Ausländerfeindlichkeit ausrufen: Mit einer Kundgebung auf dem Rathausmarkt. Sogar Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote hat sich angekündigt: Er wird eine kurze Rede zum Start halten. Außerdem will Blankschein ein Netzwerkes aufbauen, dass die Hilfsbereitschaft der Norderstedter für Flüchtlinge weiter stärkt. Mit der von ihm gestarteten Resolution wenden sich bereits mehrere Norderstedter Parteien, das Willkommen-Team, Vereine und auch Privatpersonen (auch die Autorin dieses Berichtes) gegen das, so wörtlich, "fortgesetzte Schüren von diffusen Ängsten vor einer angeblichen Überfremdung in unserem Land."
Viele Norderstedter, Parteien und Vereine kamen zum zweiten Treffen der Aktion "Eine Stadt für alle - Norderstedt ist weltoffen" auf Aufruf von Initiator Wolfgang Blankschein (vorne Mitte). Foto Nowatzky
Nach nur zwei offenen Treffen hat Blankschein bereits viele Norderstedter überzeugt, mitzumachen und ein Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit zu setzen. Besonders freut den engagierten Lehrer, dass auch einer von Schleswig-Holsteins größten Sportvereinen, der TuRa Harksheide mit über 4000 Mitgliedern, sich zur Unterzeichnung entschlossen hat. Der Verein will auch eine Delegation zur Kundgebung am 16. März um 18 Uhr auf den Rathausmarkt schicken. An diesem Tag beginnen die Internationalen Wochen gegen Rassismus und Blankschein will mit seinem Aufruf auch in Norderstedt ein deutliches Zeichen setzen.
Wolfgang Blankschein ruft zur Kundgebung am 16. März gegen Rassismus und für Toleranz auf dem Rathausmarkt auf. Foto Nowatzky
"Ich hoffe auf knapp 1000 Teilnehmer", sagt der Organisator. Vielleicht erreicht der umtriebige Lehrer mit seinen Aufrufen in sozialen Netzwerken und über das jetzt bereits aufgebaute Netzwerk ja sogar mehr Norderstedter. Unterstützer hat er jedenfalls für sein Engagement bereits gefunden. Der Sportverein will neben der Delegation auch noch einmal Werbung bei seinen Mitgliedern machen, sich am 16.3. gemeinsam gegen Rassismus zu stellen.

Termin: 16. März 18 Uhr Norderstedter Rathausmarkt

Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 10 2015