Wir sind bunt und gegen Rassismus

Gymnasium erhält Titel "Schule ohne Rassismus"

Von Stefanie Nowatzky
Langenhorn "Im Bus hat mich ein älterer Mann aufgefordert, aufzustehen. Ich gehörte hier nicht hin", erzählte ein 6.-Klässler mit schwarzer Hautfarbe erst kürzlich seinem Lehrer Christoph Lindhorst auf dem Schulhof. Und auch Franko-Italienerin Julie Salviac sagt: "Rassismus ist für mich auch nach zehn Jahren in Hamburg leider manchmal spürbar". Die Schulsprecher des Gymnasiums Heidberg haben dagegen ein Zeichen gesetzt: Mit über 800 Schülern bildeten sie auf dem Schulhof den Schriftzug: "Schule ohne Rassismus". Seit zehn Jahren können Schulen sich um die Auszeichnung "Schule ohne Rassismus" bewerben, der Trägerverein Aktion Courage vergibt den Titel, wenn mindestens 70 Prozent der der Schüler und Lehrer einer Schule mit ihrer Unterschrift die Aktion unterstützen. Am Gymnasium Heidberg unterschrieben jetzt im zweiten Anlauf fast alle der über 800 Schüler und viele Lehrer und Schulpersonal, insgesamt kamen fast 900 Unterschriften zusammen. Damit ist das Heidberg die 26. Schule in Hamburg und bundesweit eine von fast 1700 Schulen bisher. Schulsprecherin Muska Ahmadsei (16) ist begeistert: "Wir sind hier sehr vielfältig", erklärt sie und zeigt auf die Schüler ganz unterschiedlicher Herkunft, die sich für die Aktion auf dem Schulhof versammeln. Und ihr Kollege Justus Hillebrandt (17) ergänzt: "Diese Aktion ist ein Ausrufezeichen, dass wir uns dafür einsetzen." Das ist ganz im Sinne der Initiatoren. Mark Medebach, Referent der Bundeskoordination in Berlin: "Wir wollen Klimawechsel an der Schule und zwar gegen Diskriminierung jeder Art." Neben der Unterschriftenaktion haben die Schülervertreter auch einen prominenten Paten gefunden. Dafür mussten sie gar nicht weit schauen: Direkt an der Nachbarschule fragten sie den Lehrer und Buchautor Philip Oprong Spenner um seine Mithilfe.
Schriftzug: Keine einfache Aktion: Auf dem Schulhof bildeten 800 Schüler den Schriftzug Schule ohne Rassismus. Foto Nowatzky
Der 35-jährige schrieb ein Buch über seine Geschichte vom Straßenjungen in Afrika bis hin zum Referendar an einer Hamburger Schule und erlebte Rassismus am eigenen Leib. Er gratulierte den Schülersprechern zu der engagierten Aktion, ebenso die Vertreterinnen der Friedrich-Ebert-Stiftung. Sie brachten als Kooperationspartner von "Schule ohne Rassismus" ihre Ausstellung "Demokratie stärken- Rechtsextremismus bekämpfen" mit und veranstalten jetzt auch Workshops mit allen Klassen von sieben bis zwölf. Das Schulsprecherteam hatte gleich nach der Wahl das vor zwei Jahren schon einmal begonnene Thema aufgegriffen und jetzt mit viel Engagement ganz kurzfristig zum Abschluss gebracht. Und mit dem Erfolg auch gleich ihre Nachfolger für die nächsten Jahre verpflichtet: Damit die Schule den Titel behält, muss jedes Jahr ein Projekt nachgewiesen werden. Für dieses Schuljahr haben Muska und Justus mit ihrem Team schon eine weitere Aktion gepant: "Wir machen einen International Day, mit vielen verschiedenen Essen", schlägt Muska vor.
Schulsprecher: Gemeinsam mit ihrem Paten Philip Oprong Spenner werben die Schulsprecher für eine vielfältige Schule ohne Rassismus. Foto Nowatzky
Für weitere Ideen steht in der Ausstellung in der Pausenhalle eine Pinwand bereit. Hier können alle Schüler ihre Ideen für Projekttage gegen Rassismus, Diskreminierung und Gewalt einbringen.
Erschienen: Wochenblatt Langenhorn, Ausgabe 10 2015