Wer entscheidet über Hummelsbüttler Deponie?

Politiker unterstützen Initiative gegen Deponie-Erweiterung

Von Stefanie Nowatzky
Langenhorn/Hummelsbüttel Die Gegend rund um die Hummelsbütteler Müllberge ist vor allem am Wochenende gut besucht. Das Gelände mit dem kleinen See am Fuß der rund 40 Meter hohen Hügel wird als Naherholungsgebiet von Langenhornern und Hummelsbüttlern gleichermaßen genutzt. Ein Spaziergang auf die Hügel garantiert dazu einen Blick auf Hamburgs Norden. Für Anwohner Jens Seyer ist dieser Ausblick deutlich getrübt. Denn im Westen will Die Eggers-Gruppe als Deponie-Betreiber die seit 2002 brachliegende Deponie wieder aufleben lassen. Auf der Schmidtschen Koppel direkt an der Glashütter Landstraße soll bis zu 40 Meter hoch Bodenaushub und Bauschutt abgekippt und gelagert werden. "Es gibt in Hamburg und der näheren Umgebung keine ausreichenden Flächen für die Deponierung von Böden", begründet Unternehmenssprecher Alexander Schwertner. Schon 2008 hatte der damals schwarz-grüne Senat mit einem Ringtausch eine Deponieerweiterung ermöglicht.
Mitglieder der Initiative "Grüne Zukunft für die HummelsbüttlerMüllberge" vor der Schmidtschen Koppel. Kommt das Ja zur Deponie, werden über die nächsten Jahre hier bis zu 40 Meter hoch Bauschutt und Böden abgeladen. Foto Nowatzky
Das Hummelsbüttler Moor wurde erweitert, das Flurstück 11, bekannt als Schmidtsche Koppel aus dem Landschaftsschutz entlassen und von der Stadt gekauft. 2011 schloss die Finanzbehörde - inzwischen regierte die SPD - einen Mietvertrag mit Eggers. Seit 2013 läuft das Planfeststellungsverfahren bei der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt(BSU). Sie entscheidet, ob Eggers die Deponie erweitern darf. Nach der öffentlichen Bekanntmachung sammelte die Initiative "Grüne Zukunft Hummelsbüttler Müllberge" knapp 10.000 Unterschriften für Einwände im Verfahren. Von der BSU wurde Eggers zu Nachbesserungen in der Planung aufgefordert, seitdem stockt das Verfahren. Der ursprünglich bereits für Herbst 2014 geplante Erörterungstermin wurde unbestimmt verschoben. Eggers-Sprecher Schwertner: "Die angefragten Unterlagen sind in Arbeit, die Gutachten laufen noch in den kommenden Monaten." Inzwischen engagieren sich die Anwohner weiter. Zur Infoveranstaltung mit Politikern kamen über 150 Interessierte und ließen sich über die Geschichte der Deponie und die Planungen informieren. Jens Seyer: "500.00 Tonnen Müll sollen auf die Wiese und auf den jetzigen Berg. Wir befürchten, dass der Berg darunter zusammensackt und Rückstände der alten Deponie freiwerden." In den Unterlagen zum Verfahren geht die BSU nur von Bauschutt auf der alten Deponie aus. Doch die Mitglieder der Initiative wohnen zum Teil schon seit der Kinderzeit hier. Sie haben damals selbst beobachtet, wie Kühlschränke, Autoreifen oder Hausmüll abgekippt wurde. 1986 mussten wegen Schadstoffbelastungen durch die Deponie alle Trinkwasserbrunnen in der Umgebung geschlossen werden. Damals kam die Umweltbehörde in einem Gutachten zu dem Schluss: "..dass jede weitere Deponieanlage egal mit welchen Stoffen und unter welchem Namen (Hausschutt, Baustellenabfälle, Hafenschlick, Industriemüll, Sperrmüll, Sondermüll, Klärschlamm, hausmüllähnliche Stoffe, Hausmüll, Gartenabfälle, Laub etc) im Planungsraum Hummelsbütteler Feldmark nur abgelehnt werden kann. Trotzdem läuft das Verfahren für eine erneute Deponierung. "Das ist keine Vorentscheidung", betont Volker Dumann, Sprecher der BSU. Aufgrund der vielen Einwendungen werde unter anderem auch geprüft, ob diese Deponie überhaupt gebraucht werde. Inzwischen gibt es von der Politik Unterstützung für die Initiative. Dennis Thering, Abgeordneter der CDU in der Bürgerschaft: "Die vorhandenen Altdeponien und auch die Schmidtsche Koppel sind mit Materialien unbekannter Herkunft aus den 1960er und 1970er Jahren verfüllt worden. Die geplante Erweiterung der Mülldeponie birgt das Risiko einer erneuten Belastung der Hummelsbütteler Feldmark." Auch Politiker von SPD und Grünen stellen sich gegen die Erweiterungspläne: "Wir sind politisch klar gegen eine Deponieerweiterung", sagt SPD Fraktions-Chef Andreas Dressel. Die Politik könne nicht in das bestehende Verfahren eingreifen, aber: "Natürlich muss der Planfeststellungsantrag nach Recht und Gesetz geprüft werden, aber das Signal ist klar: Die Behörde muss alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um zu einer Ablehnung zu kommen."
Die Pläne der Firma Eggers: direkt an der Glashütter Landstraße sollen die Müllberge um eine Deponie erweitert werden. Repro now
Grünen-Landesvorsitzende Katharina Fegebank: "Wir lehnen die Deponie ab." Eggers-Sprecher Schwernter erklärt, man nehme die Sorgen der Anwohner ernst, bekräftigt aber: "Wir sind überzeugt, dass das der richtige Ort ist, um eine Deponie sicher betreiben zu können. Für die Initiative heißt es jetzt abwarten. Sollte bald ein Erörterungstermin von der BSU kommen, will man sich auch anwaltlich darauf vorbereiten, wie Mitglied Sabine Bartels erklärt. Parallel will die Initiative auf Anregung aus der Info-Veranstaltung prüfen lassen, ob man Eggers zur schnelleren Lieferung der Gutachten zwingen kann. "Wir wollen klären, ob Fristen möglich und sinnvoll sind", so Bartels. Da macht die BSU allerdings keine Hoffnung: "Da es keine Fristen gibt, kann sich das noch lange hinziehen", so Sprecher Dumann. "Bis dahin passiert vor Ort nichts."
Erschienen: Wochenblatt Langenhorn, Ausgabe 7 2015