Gemeinsame Zeit fürs Selbstbewusstsein

Prävention mit "Plan haben"

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Für Leonie ist es immer die schönste Zeit der Woche und für Julia ist es tolle Freizeit: Jeden Sonntag treffen sich die 11-jährige Schülerin und die 30-jährige Tierheilpraktikerinnen und verbringen Zeit miteinander. Meist im Reitstall, mit Pferden und Ponys. Über das wöchentliche Treffen haben die beiden einen Vertrag geschlossen, denn Julia Hentsch ist Patin für die Schülerin im Projekt "Plan haben". Gemeinsam mit Julia (l.) ein Pony putzen - diese feste gemeinsame Zeit ist für Leonie die schönste Zeit der Woche. Foto Nowatzky Für Kinder, die in ihrem Umfeld aufgefallen sind, hat Wolfgang Banse, ehemaliger Polizeibeamter und im Kriminalpräventiven Rat zuständig für die Jugendarbeit, das Projekt ins Leben gerufen. "Plan haben ist für Kinder, die verhaltensauffällig sind, sich extrem zurückziehen oder auch überaktiv sind,", erklärt Banse. Seit 1998 läuft das Projekt, knapp 90 Kinder haben seitdem teilgenommen, wurden von Schulen, Jugendamt, Vereinen, Polizei Kirche oder anderen Einrichtungen, die sich mit Kindern beschäftigen, gemeldet. Die Paten verbringen feste Zeit mit den Kindern, geben ihnen das Gefühl "Du bist gut". Die Paten haben keinen Erziehungsauftrag, gewollt ist aber schon, dass die Kinder und Jugendlichen zwischen acht und 16 Jahren hier ein Gefühl für eigene Talente oder Ideen bekommen, dadurch mehr Selbstwertgefühl entwickeln. Für ein Jahr gilt diese Verabredung, wenn Kind und Pate sich nach einer Probezeit gut verstehen. Doch meist geht es danach weiter, erzählt Banse. 14 Patenschaften werden zurzeit betreut, nur noch acht mögliche Paten sind im Pool "Wir brauchen mehr Menschen, die sich bei uns engagieren", wirbt der Projektvater. Etwas zwei bis vier Stunden in der Woche verbringen Pate und Patenkind miteinander. "Die Paten schenken Zeit, gemacht wird, was das Kind möchte", erzählt Banse. Das können Freizeitaktivitäten sein, gemeinsam spielen, Bahn fahren oder auch lernen, die Kosten übernimmt das Projekt aus Spendenmitteln. "Damit wir immer das passende Tandem bilden können, brauchen wir möglichst viele Paten. Und auch gerne jüngere", wünscht sich Wolfgang Banse. So wie Julia Hentsch, die sich trotz wenig Freizeit für die Patenschaft entschieden hat. Die junge Frau ist selbständig, nimmt sich deshalb immer am Wochenende Zeit für ihr Patenkind. "Ich habe ein glückliches, tolles Leben und möchte daran jemanden teilhaben lassen, Lebensfreue geben", ist ihre Motivation. Und so fragt sie jeden Sonntag, was Leonie machen möchte. Meist gehen sie in den Stall. Während die elfjährige sonst kaum spricht, taut sie hier auf, bei den Ponys und Pferden. Deshalb passen die beiden so gut zusammen. "Das ist keine Belastung, sondern tolle Freizeit", möchte Julia mehr Leute als Paten motivieren. "Man kann etwas geben und bekommt ganz viel zurück." Weitere Infos unter www.planhaben.de
Erscheint: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 17 2014