Versteckte Technik von Schülerfirma

Handyhüllen aus alten Büchern als Unternehmensidee

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt In dem weiß gefliesten Keller stapeln sich alte Bücher, haufenweise Papierschnipsel hat Alexander Herden schnell noch vor dem Fototermin in den Papierkorb entsorgt. Der 15-jährige ist der Technikleiter des jungen Unternehmens "Coverbook" und der Werkkeller im Haus seiner Eltern die Produktionswerkstatt der Schülerfirma.
Alexander Herden ist Technikleiter von Coverbook. 'Ein tolles Produkt motiviert', sagt der 15-jährige und freut sich, dass er nach mehreren Prototypen jetzt die erste perfekte Hülle ausliefern konnte. Foto Nowatzky
"Sägen, kleben, feilen, ausschneiden", zählt Alex die ersten Schritte zur neuen passgenauen Handyhülle auf, die unter den geschickten Händen des 9.-Klässlers entsteht. Aus gebrauchten Büchern, Leder, Klebstoff und viel Geduld entstehen in der Schülerfirma ganz individuelle Hüllen für Handys und Tablets. Von außen recyceltes Buch, von innen moderne Technik, so präsentieren die neun Jugendlichen zwischen 13 und 15 Jahren ihre Idee. Jedes Exemplar wird je nach Aufwand ab 15 Euro kosten. Als Junior-Unternehmen nehmen sie mit Coverbook teil am Wettbewerb des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Seit 1994 gibt es den Wettbewerb, bei dem sich jährlich in ganz Deutschland Schülerfirmen ab Klasse neun mit ihren Geschäftsideen, aber auch mit der Umsetzung und der Präsentation auf Messen um die Preise in den Bundesländern bewerben. Das Coppernicus-Gymnasium in Norderstedt ist in jedem Jahr mit dabei, oft sogar mit zwei Schülerfirmen. Für den diesjährigen Wettbewerb sind schon über 400 Firmen bundesweit in der Altersgruppe ab der neunten Klasse angemeldet, 25 Firmen haben in Schleswig-Holstein bereits die Arbeit aufgenommen.
Sven Nowatzky (l.) und Joline Stehnke wollen für Coverbook Käufer für die Recycling-Handyhüllen finden. Foto Nowatzky
"Es war schwierig, eine gemeinsame Idee zu finden, bei der alle mitziehen", erzählt die 14-jährige Marketing-Chefin von Coverbook, Joline Stehnke. Erst seit den Herbstferien legten die Schüler so richtig los, denn in die kurze Zeit zwischen Sommer- und Herbstferien fiel auch noch das Betriebspraktikum für die Gymnasiasten. Dabei galt es neben der Geschäftsidee auch die Posten für Finanzbuchhaltung, Verwaltung, Marketing und Technik zu vergeben, auch ein Vorstandsvorsitzender der Aktiengesellschaft musste gewählt werden. Sven Nowatzky hat diesen Job übernommen. "Mein Bruder hat auch schon in einem Junior-Unternehmen gearbeitet", sagt der 13-jährige. "Ich wollte jetzt selber sehen, wie eine Firma funktioniert. Und zwar von innen, wenn man selbst mit dabei ist." Wie in einem echten Unternehmen müssen die Schüler lernen, alle Mitarbeiter mitzunehmen und sich gemeinsam für ihr Ziel einzusetzen. "Das ist manchmal schwierig", sagt Joline. "Es habe noch nicht alle verstanden, dass es nicht reicht, dafür nur in der Schule was zu machen. Das ist eine Freizeitaktivität." Jetzt wollen die Schüler die letzten Aktien verkaufen, Verkaufsmöglichkeiten für ihre Hüllen finden und auch die erste Hauptversammlung vorbereiten. Denn als Startkapital verkauft jedes Junior-Unternehmen 90 Aktien á zehn Euro, informiert die Aktionäre dann mit Geschäftsbericht und Versammlung über die Aktivitäten. Außerdem haben die Jungunternehmer für ihre Firma bereits eine eigenen Website vorbereitet. Unter www.coverbook.de gibt es neben Unternehmensinformationen auch Fotos und Bestellmöglichkeiten. Anfragen auch an kontakt@coverbook.de
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 1 2015