Mehr Zeit für pädagogische Arbeit

Schulsozialarbeiter sollen an alle Grundschulen

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt "Hier darfst Du reden" hängt in großen Buchstaben an der Wand von Carsten Meinckes Büro. Und das nehmen seine kleinen Kunden ganz wörtlich. "Carsten, ich hab ein Problem", fangen viele Gespräche des Schulsozialarbeiters an der Grundschule Glashütte an. Sorgen in der Klasse, Streit auf dem Schulhof, aber auch Probleme im Elternhaus: Die Grundschulkinder haben in Carsten Meincke einen zentralen Ansprechpartner. Derzeit ist er vom Bauspielplatz Fossi-Haus zur Hälfte an die Grundschule abgeordnet, bereits seit fünf Jahren ist er für Kinder, Eltern und Lehrer da. Ein Modell, dass Schule machen soll. Auf der nächsten Sitzung des Jugendhilfeausschuss am 22. Januar soll die Umsetzung des Konzeptes "Schulsozialarbeit an Grundschulen", ausgearbeitet vom Jugendamt Norderstedt, beschlossen werden. Danach soll es ab dem Schuljahr 2015/16 an allen Grundschulen Schulsozialarbeiter geben. Kosten dafür: 130.500 Euro für 2015 und 347.400 Euro ab 2016. "Jede der zwölf Schule wird eine halbe Stelle bekommen", erklärt Klaus Struckmann, Leiter des Jugendamtes. Unter seiner Regie arbeiten auch die bisher eingesetzten Schulsozialarbeiter wie Carsten Meincke. "Wir sehen zunehmend höheren Erziehungsbedarf in der Schule", sagt Struckmann. "Mit Schulsozialarbeit an allen Grundschulen ist man näher am Kind und kann frühzeitig helfend eingreifen." Während er früher skeptische Reaktionen der Schulen auf das Angebot bekam, sind aufgrund der guten Erfahrungen weitere Grundschulen auf das Jugendamt zugekommen. "Die Schulen haben gemerkt, welche Entlastung das für die Lehrer bedeutet und nutzen inzwischen Schulsozialarbeit als Qualitätsvorsprung vor anderen." 179.000 Euro stellte das Land der Stadt für diese Arbeit 2014 aus Bundesmitteln zur Verfügung, doch zum Jahresende ist damit Schluss. Ab 2015 will die Landesregierung dann insgesamt 17 Millionen Euro jährlich für die Schulsozialarbeit in Schleswig-Holstein ausgegeben. Dazu gibt es allerdings noch keinen Haushaltsbeschluss und auch noch keine Mitteilung, wie viel Geld es pro Stadt oder Kreis geben wird. Zunächst müssen die Kosten für die zusätzlichen zehn halben Stellen also von der Stadt selber finanziert werden. Petra Müller-Schönemann, Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses: "Wir wollen die Schulsozialarbeit, aber es sind hohe Kosten und wir müssen noch klären, wo das Geld herkommen soll." An dieser Frage scheiterte im Dezember die gemeinsame Entscheidung von Jugendhilfe und Schulausschuss, die CDU-Fraktion beantragte Vertagung. "Die Kinder sind mit der Offenen Ganztagsschule so lange in der Schule wie noch nie", begründet Müller-Schönemann, warum sich alle Fraktionen über die grundsätzliche Einführung einig sind. Außerdem belegen Fallzahlen des Jugendamtes immer häufiger Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern. Auch Schulsozialarbeiter Carsten Meincke beobachtet in seiner täglichen Arbeit mehr verhaltensauffällige Kinder, mehr Gerangel auf dem Schulhof und vor allem Unlust, Regeln zu befolgen. Ziele des neuen Konzeptes für Schulsozialarbeit sind daher neben der Arbeit an aktuellen Problemen auch die Prävention, zum Beispiel Kompetenztraining und Konfliktlösungsstrategien. In erster Linie ist er jedoch Ansprechpartner für die Kinder. "Meine Mutter liegt zu Hause nur auf dem Sofa und schläft viel", auch mit solchen Sorgen kommen die Kinder zu ihm. Gemeinsam mit ihnen erarbeitet er dann Lösungsstrategien. Und Meincke fragt die Kinder "Darf ich mal mit Deiner Mutter drüber sprechen?" Denn Elternarbeit gehört mit zur Schulsozialarbeit. Die Verwaltung will mit der Schulsozialarbeit die Lehrer bei ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag unterstützen, so sieht es das Konzept vor. Ganz praktisch heißt das für Carsten Meincke: Lehrer bitten ihn bei schwierigen Klassensituationen dazu, auch zu Gesprächen mit Eltern wird er gerne eingeladen. Die kennen ihn in der Regel schon, denn schon beim ersten Elternabend stellt sich der Sozialpädagoge vor.
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 52 2014