Solarhöfe in Garstedt in der Kritik

Konzept sieht 210 Wohneinheiten an der U-Bahn vor

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Am Garstedter Dreieck haben die Bauarbeiten im westlichen Teil mit einem Jahr Verspätung endlich begonnen, jetzt will Norderstedts Baudezernent Thomas Bosse auch den östlichen Bauabschnitt auf den Weg bringen. Gut 2,5 Stunden dauerte die erste Informationsveranstaltung für die Anwohner des als "Solarhöfe" ausgelobten Areals westlich der U-Bahn-Station Richtweg. Basis ist die schon fast ein Jahrzehnt alte Masterplanung für das gesamte Gelände. Obwohl scheinbar nur wenige Anwohner direkt von dem geplanten Gebiet mit rund 210 Wohneinheiten betroffen sind, kamen gut 100 Bürger in die Aula des Coppernicus-Gymnasiums, um sich die bisherigen Pläne anzusehen, zu hören, was die Stadtplaner hier vorhaben und auch ihre Kritik an dem neuen Bauvorhaben anzubringen. "Ich befürchte, dass Wohnen im Grünen nicht mehr stimmt", sagt zum Beispiel Anwohner Uwe Wüst vor den großen Plänen, die bis zu vier geschossigen Mehrfamilienhäuser plus Staffelgeschoss zeigen. "Wir sind überall unterhalb der Baumgipfel", entgegnet Stadtrat Thomas Bosse zu den Vorwürfen, die geplante Siedlung passe nicht in die Landschaft. Im Gegenteil, meint der Baudezernent. Die geplanten Bauinseln des Vorentwurfes sollen laut Planern und Stadtverwaltung genau die Knickstruktur am Garstedter Dreieck berücksichtigen. "Und trotzdem hat die Siedlung urbanen Charakter", betont Bosse. "Wir wollen so viele Leute wie möglich nah der Schiene unterbringen". Vor allem die Bewohner des Richtweges sehen die Planung mit Sorge. Rund um die wenigen Einzel- und Reihenhäuser sollen zunächst drei der Höfe genannten Wohnblöcke mit jeweils drei bis vier Häusern entstehen. Die letzten der geplanten 210 Wohneinheiten können jedoch nur gebaut werden, wenn die bisherige Bestandsbebauung nicht mehr existiert. "Sie haben Bestandsschutz, Enteignungen wird es nicht geben, die sind auch gar nicht zulässig", versuchte der Baudezernent zu beruhigen. Doch obwohl es sich um eine erste Informationsveranstaltung handelt und ab sofort Einwände und Anregungen zu den Plänen möglich sind, scheint der Planungsentwurf doch schon einige Weichen gestellt zu haben. So sieht der Entwurf für alle Häuser einen Sockel vor, in dem Tiefgaragen und Hausinfrastruktur untergebracht werden sollen. Während der Stadtrat die preisgünstigere Bauweise lobt, sehen die Anwohner die zusätzliche Höhe der Bauten problematisch. Bis zum 15. Januar werden die Vorentwürfe in der Planungsabteilung im zweiten Stock des Rathauses aushängen, bis dann sind auch schriftliche Einwände möglich. Der Investor, die Firma Schilling, die auch bereits das Solardorf in Glashütte vermarktete, äußerte während der Veranstaltung nicht zu den Plänen, obwohl Seniorchef Werner Schilling auch die kritischen Fragen aufmerksam verfolgte. Das Garstedter Projekt soll als sogenanntes plus-EnergieQuartier besonders innovativ gebaut werden, also mehr Energie erzeugen, als es verbrauchen wird. Ein Punkt, der von einigen Bürgern kritisch gesehen wird. Denn im ersten Projekt Solardorf Glashütte läuft das dortige Konzept noch nicht rund (das Wochenblatt berichtete.)
Erschienen: Nordersteder Wochenblatt, Ausgabe 50 2014