Zu viel Platz?

Schule soll Pavillon verlieren

Von Stefanie Nowatzky
Langenhorn Wie viel Platz braucht ein Grundschüler? Diese Frage beschäftigt die Eltern und Lehrer der Grundschule Krohnstieg, seit bekannt wurde, dass einer von zwei Pavillons mit vier Klassenräumen geschlossen werden soll. Knapp über 200 Kinder werden hier in der einzigen gebundenen Ganztagsschule im Umkreis unterrichtet, dazu zwei Vorschulklassen. Noch vor einem Jahr war Abriss und Neubau der zwei Pavillons genehmigt worden, in denen derzeit die Vorschüler und die 1.-Klässler unterrichtet werden. "Jetzt heißt es: Das Raumangebot ist zu hoch", reagiert Elternratsvorsitzender Frank Trippe mit Unverständnis. Denn gegenüber dem Vorjahr sind es sogar mehr Schüler geworden. Und auch für das kommende Schuljahr deutet die Zahl der Vorschüler wieder auf drei erste Klassen hin. Dann hätte die Schule zwei Klassen mehr als jetzt und benötigte zehn Klassenräume plus Vorschule und Fachräume statt bisher acht. Würde der Pavillon wegfallen, müssten Fachräume zu Klassenräumen umgebaut werden. Das Nachmittagsangebot der Schule würde sich verändern müssen. Das ärgert den Elternrat und auch die Lehrer. Denn viele Eltern entscheiden sich sehr bewusst für die gebundene Ganztagsschule. So wie Anke Peterson: "Die Schule ist über den ganzen Tag strukturiert und die Kinder sind begeistert vom Kursangebot." Dafür braucht die Schule Raum, denn die Kinder sind von morgens um acht bis nachmittags um 15.30 Uhr in der Schule. Eine Lehrkraft. "Damit wir unser Konzept mit der Teilung am Nachmittag machen können, brauchen wir Räume." Schon jetzt, so die Lehrer, seien alle Räume gut ausgenutzt. Eine Lehrerin unterrichte sogar Mathematik in der Schulküche, weil in dieser Zeit kein anderer Raum zur Verfügung steht. Die Mitarbeiter der Schulbehörde hätten aber die Quadratmeter vermessen, nicht die Anzahl der Räume. Frank Trippe: "Die Schulbehörde will den Ganztag. Aber der Anspruch an die Kinder ist bei acht Stunden in der Schule ein anderer, der Platzbedarf ist größer." Das sieht auch Schulsenator Thies Rabe so. In einer Ende September veröffentlichten Erklärung sagt er: „Die Gespräche und die Entwicklung an den Schulen zeigen, dass die Kinder neben dem Kursangebot genügend Freiräume für selbstbestimmtes Spielen sowie Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten brauchen. Hier wird in den Schulen derzeit nachgesteuert.“ Trotzdem will die Behörde den Pavillon mit vier Räumen ersatzlos schließen, die Klassen müssen dann im kommenden Schuljahr auf die Fachräume verteilt werden. Zur Frage, nach welchem Schlüssel der Raumbedarf festgelegt wurde und wie die Schließung mit der Forderung des Senators nach genügend Platz zusammen passt, äußerte sich die Behörde auf Anfrage dem Wochenblatt gegenüber nicht. Besonders bizarr: Der Pavillon soll nur geschlossen werden. Eine andere Nutzung scheint nicht vorgesehen. Für Elternratsmitglied Anke Peterson ist klar: "Wir kämpfen für unseren Pavillon und das tolle Angebot für die Kinder."
Erschienen: Wochenblatt Langenhorn, Ausgabe 48 2014