Mit Blitzern gegen Todesraser

Tempo 60 reicht nicht sagt Norderstedts Verkehrsexperte

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Nach dem vierten Unfall mit Toten auf der Schleswig-Holstein-Straße innerhalb eines Jahres sind in der Stadt Forderungen laut geworden, die Höchstgeschwindigkeit auf 60 km/h zu begrenzen. Zurzeit gilt Tempo 80, nur in den Kreuzungsbereichen muss auf 60 runter gebremst werden. Am 8. November kollidierten ein McLaren Sportwagen mit 625 PS Richtung Norden und ein Opel Corsa. Beide Fahrer starben, ein 8-jähriger Junge wurde als Beifahrer des Sportwagen schwer verletzt. Trotz einer widersprüchlichen Zeugenaussage geht die Polizei aufgrund der Gutachterbefunde weiter davon aus, dass der Mc Laren-Fahrer auf die Gegenfahrbahn geriet. "Doch beide Fahrer sind Tot. Einen Strafverfolgung kann es ohnehin nicht geben", sagt Kai Hädicke-Schories, Verkehrsexperte Polizei Norderstedt. Statt dessen macht er sich Gedanken, wie es auf der Straße weitergehen soll. Die Unfälle: 29. Dezember 2013: 2 Tote; 19. Februar 2014:2 Tote, 9. Juli 2014: 1 Toter. "Tempo 60 ist keine Lösung", sagt der Polizist. Alle tödlichen Unfälle hätten ohnehin in den 60-er Bereichen gelegen oder dort mit überhöhten Geschwindigkeiten ihren Anfang genommen. "Die Straße lädt zum Rasen ein", sieht er als Ursache und fordert Geschwindigkeitskontrollen mit fest installierten Mess-Anlagen. Auch Stadtsprecher Hauke Borchardt plädiert für "Blitzampeln": "Seit auf der Umgehung Fuhlsbüttel die Anlage steht, gibt es dort keine Unfälle mehr", zieht er die Parallele zu Hamburg. Doch im Gegensatz zur Umgehung ist die Schleswig-Holstein-Straße lang: 9,5 Kilometer fast gerade Strecke mit mehreren Zu- und Abfahrten. Hädicke-Schories: "Hier sollten am besten ganze Streckenabschnitte mit jeweils zwei Mess-Punkten überwacht werden - mit mehreren Anlagen in beiden Fahrtrichtungen", stellt er vor. Doch das letzte Wort haben ohnehin weder die Stadt noch die Polizei. Denn für die Schleswig-Holstein-Straße ist der Landesbetrieb Verkehr in Kiel zuständig. Es habe schon intensive Gespräche gegeben sagt Stadtsprecher Borchardt. Norderstedt möchte die Verkehrsüberwachung - auch zur Geschwindigkeitsmessung - übertragen bekommen. Und auf der Schleswig-Holstein-Straße auf Höhe Am Exerzierplatz eine Ampel errichten. Doch bisher verliefen die Gespräche ergebnislos. Jetzt hofft die Verwaltung nach dem erneuten schweren Unfall auf ein Umdenken in Kiel. "Wenn wir grünes Licht für die Ampel bekommen, würde das rote Licht da bald leuchten", verspricht Borchardt. Die Botschaft scheint auch in Kiel angekommen zu sein. Nach weiteren Gesprächen heißt es jetzt: Norderstedt ist zuständig. Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote will jetzt schnellstmöglich die Ampel in Auftrag geben. So soll zumindest in diesem Bereich die Geschwindigkeit reduziert und die Sicherheit für den Übergang für Fußgänger und Radfahrer verbessert werden.
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 47 2014