Tina Wolf in Quickborn

Ich dachte, ich könnte dich retten

Von Stefanie Nowatzky
Quickborn Am 4. November kommt die Autorin Tina Wolf nach Quickborn, um auf Einladung der Fachstelle "Kleine Riesen" aus ihrem Buch zu lesen. Viele Zuschauer kennen Tina Wolf aus den Nachrichten des "Hamburg Journal", die sie bis 2012 präsentierte oder von der "Nordtour", die 41-jährige hat sich als Moderatorin zunächst bei RTL, später beim NDR vor allem in Ostdeutschland einen Namen gemacht, arbeitet seit 2003 als freie Autorin und Journalistin und hat unter anderem das humorvolle Buch "Kein Kind ist auch (k)eine Lösung" veröffentlicht. Doch zu den "Kleinen Riesen" kommt die Fernsehjournalistin aus einem anderen Grund. Tina Wolfs Vater war Alkoholiker. Wie die Kinder und Jugendlichen, die in der Fachstelle betreut werden, hat sie als Kind erlebt, wie belastend das Leben mit suchtkranken Eltern ist und wie schnell Kinder die Verantwortung für ihre suchtkranken Eltern übernehmen. Tina Wolf hat ihre Erfahrungen in dem Buch "Und ich dachte, ich könnte dich retten" beschrieben. Heute sagt sie: "Ich hatte Glück, ich wurde nie von meinem Vater als Bote ausgenutzt, wurde nie geschlagen - ich habe ihn immer geliebt." Doch das Thema Alkoholismus hat ihr Leben geprägt. "Ich trinke zwar mal Sekt oder Wein, aber ich kontrolliere mich extrem - zum Beispiel, wie viele Flaschen gehen zum Altglascontainer", erzählt Wolf. Weil bei ihrem Vater niemand einschritt, macht sie sich heute auch schon mal unbeliebt und macht bei Freunden oder Kollegen den Mund auf, wenn ihr übermäßiger Alkoholkonsum auffällt. "Es kann jeden treffen. Mein Vater war kein asozialer Typ, sondern extrem gepflegt. Bis 14 Tage vor seinem Tod ist er noch zur Arbeit gegangen. Erst danach wurde in der Firma offen über das Thema gesprochen", das macht sie heute noch wütend. Tina Wolf ist selber Mutter. Ihr Sohn ist sieben, genauso alt wie das Buch über ihre Kindheit. "Er ist das Beste in meinem Leben", steht für die Journalistin fest. Gemeinsam mit ihrem Mann möchte sie erreichen, dass er stark durchs Leben geht und selbst entscheidet, was er machen möchte. "Mein Vater wollte Künstler sein, aber er musste Kaufmann werden und in der kassenärztlichen Vereinigung Fuß fassen, die sein Vater mit aufgebaut hatte", erzählt sie. Vielleicht, so glaubt sie, ist auch das ein Baustein zum Alkoholismus gewesen. Stadtbücherei Quickborn 19 Uhr, die Veranstaltung ist kostenfrei, um eine Spende für die Arbeit der Kleinen Riesen wird gebeten. Anmeldung möglichst bis 30. Oktober bei Sina Jessen, 04106-60000 oder sucht.quick@ats-sh.de
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 44 2014