Wissenschaftler beackern Norderstedter Feld

Radioteleskop für Weltallforschung in der Bauphase

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Am Hartenholm rückt die moderne Wissenschaft mit jeder Baggerschaufel und jedem Spatenstich näher an Norderstedt. Hier wird ein Baustein des weltweit größten Radioteleskopes LOFAR gebaut. Das vom Bundesministerium für Bildung und den Ländern Hamburg und Nordrhein-Westphalen finanzierte etwa 1,2 Millionen Euro-Projekt wird in den kommenden Wochen gemeinsam mit Studenten der beteiligten Universitäten Hamburg und Bielefeld auf dem gepachteten Feld westlich der Niendorfer Straße errichtet. "Das ist auch für die studentischen Hilfskräfte eine ganz besondere Arbeit - mit Gummistiefeln und Regenmantel", schmunzelt der Hamburger Professor Marcus Brüggen. Der Container mit Rechnern für die erste Sammlung der Daten steht bereits, das Norderstedter Unternehmen WilhelmTel legt gleichzeitig das benötigte Glasfaserkabel. Auch die ersten Antennen stehen schon auf Sattelzügen bereit, fünf mal fünf Meter misst eine der 96 Antennen für höhe Frequenzen, ebenfalls 96 1,70 hohe Stabantennen für niedrigere Frequenzen werden unmittelbar daneben errichtet. Das Besondere: Das Norderstedter Feld ist eines von mehreren Feldern in Deutschland, weitere wurden bereits in Holland, Frankreich, Großbritannien und Schweden errichtet. "Die Wellenlängen, die wir hier erforschen, sind 10 Meter lang, deshalb ist ein so großes Teleskop erforderlich", erklärt Brüggen, Professor an der Sternwarte Bergedorf. Mit Hilfe der vielen Teleskopfelder wird so ein Teleskop mit 600 Quadratkilometern Durchmesser simuliert. Das entspricht etwa Hälfte der Fläche von Europa. Professor Dr. Dominik Schwarz von der Universität Bielefeld will mit dem Teleskop vor allem erforschen, wie sich Galaxien im Weltall verteilen. Das Feld in Norderstedt bietet dazu fast optimale Voraussetzungen. Trotz Flughafennähe gibt es kaum Störungen durch Elektrosmog und auch eine weitere wichtige Voraussetzung ist gegeben: "Damit das Teleskop exakte Daten liefert, dürfen auf dem ganzen Gelände höchstens zwei Zentimeter Höhenunterschied sein", erklärt Schwarz. Bis Ende November sollen jetzt unter der Leitung von Supervisor Han Wessels Mitarbeiter und studentische Hilfskräfte die Antennen aufstellen. Dabei hoffen die Wissenschaftler auf gutes Wetter, "Das sind Riesen-Dinger, die kann man bei Wind nicht auseinander nehmen, dann fliegen die wie Segel", so Wessels.
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 44 2014