Stromausfall - Dunkelheit in Norderstedt?

Wie gut ist die Stadt gerüstet?

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt "Was machen Sie eigentlich bei Stromausfall?" diese Frage stellt Joachim Seyferth rund 9.500 Norderstedter Haushalten in den kommenden Tagen. Der Amtsleiter Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz greift damit ein Thema auf, dass ihn seit dem letzten großen Stromausfall in Norderstedt 2010 in Glashütte beschäftigt. "Mit ein bis zwei Stunden kann jeder klarkommen, aber ein mehrtägiger Stromausfall - das ist unsere Achillesferse", macht Seyferth klar. Kühlschränke, Heizungen, Kochen und auch Telefon: Alles funktioniert mit Strom. Auch Ampeln, die Kühlschränke in Apotheken, Sicherheitstüren in Altenheimen oder die Infrastruktur der Behörden steht bei Stromausfall still. "Nach ein paar Stunden ist keine Kommunikation mehr möglich - das ist in der heutigen Welt das Schlimmste", befürchtet Joachim Seifarth. Deshalb will er jetzt stichprobenartig Haushalte zu ihrer Vorsorge aber auch ihrer Einschätzung eines Stromausfalls befragen, um daraus Empfehlungen für alle Norderstedter zusammenzustellen. In dem ab 27. Oktober verschickten Fragebogen will die Verwaltung wissen: Für wie viele Tage reichen Lebensmittelvorräte, gibt es Taschenlampen, ein batteriebetriebenes Radio, Kerzen oder gasbetriebene Kochmöglichkeiten? Außerdem werden in der anonymen Befragung Hilfebedarf, Möglichkeiten zur Selbsthilfe, eigene Hilfsbereitschaft und die Erwartungen an Behörden und Stromanbieter abgefragt. Er hofft auf möglichst hohe Beteiligung bis zum Abgabetermin am 21. November. Das Problem Stromausfall beschreibt Seyfarth als nicht ganz unwahrscheinlich. Das europäische Netz arbeitet mit einer einheitlichen Frequenz von 50 Hertz. "Durch die regenerativen Energien können Ungleichmäßigkeiten im Netz entstehen. Und bei Schwankungen um zwei Herz kommt es zu Abschaltungen", erklärt er das Problem. So hatte 2006 die unangekündigte Abschaltung einer Leitung über einem Kanal in Norddeutschland zu Stromausfällen in Italien und Frankreich geführt. "Wir wollen wissen, wie vorbereitet die Stadt ist", so der Experte für Katastrophenschutz. "Viele machen sich keine Gedanken, was alles am Strom hängt. Wenn wir kurze Stromausfälle haben, merken es die meisten als erstes am Fernseher oder Internet. Was noch alles ausfällt, fällt erst später auf."
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 43 2014