Unterbringung von Flüchtlingen weiter eng

Norderstedt will Flüchtlinge besser betreuen

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt "Das Thema Asyl kann einfach nicht liegenbleiben", sagt Stadträtin Anette Reinders. Die Norderstedter Sozialdezernentin lässt alle Unterbringungsmöglichkeiten in der Stadt prüfen, bis Jahresende muss sie für dann insgesamt 230 Flüchtlinge in der Stadt eine Wohnunterkunft gefunden haben. Auch in ihrem Urlaub hat sie dieses Thema weiter beschäftigt, denn trotz der Ankündigung der Landesregierung, die Kaserne in Bostedt nach Auszug der Soldaten im kommenden Jahr für 500 Flüchtlinge zu öffnen, sieht sie keine Entspannung. "230 Menschen sind für eine Stadt wie Norderstedt nicht viel, trotzdem ist es eine Herausforderung", so Reinders. Kurzfristig müssen in Norderstedt Lösungen her, eine davon ist die Gemeinschaftsschule Harksheide. Wenn wie geplant die Schüler im November in die renovierte und erweiterte ehemalige Hauptschule Falkenberg umziehen, will Reinders die Schule Fadenstannen als Unterbringung für 60 Asylsuchende vorbereiten lassen. "Wir müssen Duschcontainer aufstellen und werden die großen Klassenräume teilen", erklärt sie. Vielleicht könnten dann sogar in diesem Jahr noch Flüchtlinge hier einziehen. Kurzfristig mietet die Stadt auch Wohnungen an. Hier sollen möglichst die Familien einziehen, die schon jetzt in Gemeinschaftsunterkünften wohnen und sich schon ein wenig in der Stadt eingelebt haben. Gerade die Integration macht der Sozialdezernentin Sorgen. Zwar kümmern sich inzwischen rund 30 ehrenamtliche Helfer um die neuen Flüchtlinge, begleiten sie im Alltag und leisten wertvolle Starthilfe. "Unser Willkommens-Konzept ist gut und wird auf Landesebene nachgeahmt. Aber das reicht nicht", so Reinders. Sie hat möchte deshalb eine Hauptamtliche Betreuung einsetzen, der Sozialausschuss hat bereits zugestimmt. Die Diakonie, die derzeit mit vier Stunden in der Woche Flüchtlinge betreut, soll nach dem Willen der Dezernentin diese Stelle ausfüllen. Zu den Aufgaben sollen die Betreuung in den Unterkünften, aber auch die Koordination der Ehrenamtler gehören. Dazu kommt die Vermittlung zusätzlicher Unterstützung durch Jugendamt oder psychologische Beratung. Und mehr Präsenz in den Unterkünften, damit aufkommende Konflikte schneller beigelegt werden können. Für 2015 sieht Anette Reinders weitere Flüchtlingsströme auf die Stadt zukommen. 6700 soll Schleswig-Holstein in diesem Jahr insgesamt aufnehmen, bei der Lage in den Krisengebieten könnten es nächstes Jahr noch mehr werden. Um auch die Norderstedter in der Nähe der geplanten Unterkünfte zu informieren, gibt es zwei Info-Abende: 8.10. um 19 Uhr in der Christuskirche Bahnhofstraße und 22.10. ebenfalls 19 Uhr Thomaskirche in Glashütte.
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 40 2014