Teures Immobilienpflaster Norderstedt

Freuden und Fallen beim Hauskauf

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Wenn es nach Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote geht, hat Norderstedt die 80.000 Einwohner-Marke bald überschritten. "Norderstedt wird weiter wachsen," so der Verwaltungschef. "Aber moderat, denn Norderstedt soll liebenswert bleiben." Norderstedt ist als Baugebiet und auch bei den Bestands-Immobilien beliebt, da geben die neuesten Zahlen Grote recht. Gebrauchte Ein- und Zweifamilienhäuser werden hier mit 2000 - 2250 Euro pro Quadratmeter schon so hoch gehandelt wie in vielen Lagen Hamburgs. Noch extremer ist die Situation bei Bauland. Für den Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern legen die Käufer in Norderstedt zwischen 2.500 und 3.000 Euro auf den Tisch, in Hamburg liegt der Durchschnittswert mit 2.933 Euro gleich. Dafür gibt es im Norden der Hansestadt noch zahlreiche Baumöglichkeiten, während in der Hansestadt Bauland knapp ist. Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek: "Im Garstedter Dreieck (etwa 600 Wohneinheiten, Anm. d. Redaktion) wird demnächst gebaut und im Herbst wollen wir mit dem ersten Beteiligungsverfahren für Anwohner für ein neues Gebiet am Mühlenweg in Harksheide mit etwa der gleichen Größe beginnen." Die niedrigen Zinsen mit unter zwei Prozent für ein Immobiliendarlehen von 150.000 Euro über zehn Jahre locken immer mehr Menschen. Nicole Weber, Regionalleiterin des Privatkundengeschäftes der Haspa für Norderstedt und Langenhorn: "Wir haben steigende Kreditanfragen." Allerdings warnt sie vor den Risiken. Denn die niedrigen Zinsen allein reichen als Entscheidungshilfe nicht aus. "Außer den Kosten für das gefundene neue Heim kommen Notar, Grunderwerbssteuer und eventuell Maklerkosten dazu. Wer gebraucht kauft, muss genug für Renovierungskosten einplanen, bei einem Neubau das Geld für die Außenanlagen." Auch Weber selbst hat kürzlich gebaut. "Ich weiß, was es bedeutet, dafür einen Kredit aufzunehmen." Ansonsten kann der Traum vom eigenen Heim auch schnell zum Albtraum werden. 2013 wurden beim Amtsgericht 86 Häuser und Eigentumswohnungen zwangsversteigert, 2014 sind es bisher schon über 50. Geschäftsleiter Karl-Heinz Radeck: "Die Tendenz ist steigend, vermutlich kommen wir wieder auf über 100 Zwangsversteigerungen wie im Jahr 2012." Nicole Weber empfiehlt deshalb, sich schon frühzeitig über die finanziellen Möglichkeiten und Grenzen zu informieren, sobald klar ist, dass es irgendwann ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung sein soll. Das geht zum Beispiel auf der Immobilienmesse, die die Haspa am 30. und 31. August gemeinsam mit der Stadt Norderstedt im Kulturwerk ausrichtet. Neben Ständen von Maklern und Bauträgern gibt es auch viele Informationen zu öffentlichen Fördermitteln, vom Grundeigentümerverband und zu Fragen rund um die Finanzierung. Die Messe findet an beiden Tagen von 10 bis 17 Uhr statt, der Eintritt ist frei.
Erscheint: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 35 2014