Zukunftsorientierter Sozialpreis

Multikulturelles Zusammenleben auf Augenhöhe gewürdigt

Von Stefanie Nowatzky
Langenhorn Der kleine Apfelbaum hinter der ehemaligen Kapernaum-Kirche hat schon das erste Mal Früchte getragen. Im vergangenen Frühjahr gepflanzt von den ehemaligen und neuen Nutzern der denkmalgeschützten Kirche an der Sievekingsallee sollen diese Früchte auch Symbol des Miteinanders im Stadtteil Horn sein. Denn aus der ehemalig evangelisch-lutherischen Kirche wird eine Moschee, derzeit wird das Gotteshaus nach den Wünschen der neuen Besitzer, der Al Nour-Gemeinde aus St. Georg, umgebaut. Rund 600 Mitglieder zählt die Gemeinde, die seit 20 Jahren in einer ehemaligen Tiefgarage in St. Georg Gottesdienste abhält. Aus über 30 Nationen haben sich Menschen zusammengefunden, seit vielen Jahren suchte die Gemeinde einen neuen Ort für eine Moschee. An eine Kirche hatte dabei keiner gedacht, wie Daniel Abdin, Vorsitzender der Gemeinde, erzählt. Aber nach langer Suche und vielen Rückschlägen ist die Kapernaum-Kirche der Ort, an dem die wachsende muslimische Gemeinde jetzt neue Wurzeln schlagen will. "Als Bereicherung für den Stadtteil", wie Daniel Abdin hofft. Miteinander reden, in Würde, respektvoll und ohne Dominanz miteinander umgehen - für die Sozial- und Diakoniestation Langenhorn ist der Sozialpreis 2013 nicht nur die Würdigung bisheriger Taten. Susanne Juhl hielt als Pastorin 2002 den letzten Gottesdienst in der Kapernaum-Kirche. Jetzt bemüht sie sich mit Daniel Abdin, Vorsitzender Al Nour, um Dialog zwischen Christen und Muslimen in der zukünftigen Moschee. Foto NowatzkyIn diesem Jahr bekommen mit der evangelisch-lutherischen Gemeinde Hamburg Horn und der Moschee-Gemeinde Al Nour zwei Partner einen Preis, der auch zukünftig wirken soll. Nachdem 2012 der Verkauf der schon lange leer stehenden Kirche an die Moschee-Gemeinde bekannt wurde, gab es viele kritische Stimmen, auch aus den Reihen der Kirche. Probst Johann Hinrich Claussen sagt heute: "Wir waren an dem Verkauf nicht beteiligt, mussten ihn aber vertreten. Deshalb war es zu Anfang schwierig." Während noch über eine Nutzung der ehemaligen Kirche durch die Muslime diskutiert wurde, gingen die Gemeinden in Horn bereits aufeinander zu. Mit einem gemeinsamen Frühlingsfest auf dem Gelände feierten Pastorin Susanne Juhl und Al-Nour Vorsitzender Daniel Abdin den Beginn einer neuen Nutzung der Kirche als Gotteshaus und pflanzten den kleinen Apfelbaum. Den Preis für die Gemeinden will die Sozial- und Diakoniestation mit Geschäftsführer Rüdiger von Brocke als Auftrag verstanden wissen, diesen Weg weiter zu gehen. "Mit Dialog räumt man Vorbehalte aus", würdigte Laudator Dietrich Sattler die Bemühungen der beiden Gemeinden. "Integration ist eine Aufgabe aller Bürger, aller Gruppen und Gemeinschaften", so der ehemalig Vorsteher des Rauhen Hauses weiter. Zunächst geht es mit Hilfe des mit 2500 Euro dotierten Sozialpreises ganz zünftig weiter. Mit monatlichen Baustellen-Gesprächen wollen Kirchen- und Moschee-Gemeinde den Dialog im Gotteshaus an der Sievekingsallee weiter fördern und die Menschen im Stadtteil zu offenen Nachmittagen einladen. Um kennenzulernen, wie aus der schon lange leer stehenden Kirche eine Moschee wird. "Außen Kirche, innen Moschee", wie Daniel Abdin gerne erzählt.
Erschienen: Evangelische Zeitung aktuell, Ausgabe 7 2014