Mit Glücksrad zum Vokalbeltest

Wie Schüler heute lernen können

Von Stefanie Nowatzky
Langenhorn Auf den Schülerstühlen sitzen lauter Lehrer - in einer ungewohnten Rolle. Beim Thema "Digitale Welt" sind die Schüler oft besser informiert als die Lehrer.
Lehrer als Schüler - Beim Thema Digitale Medien wollen die Pädagogen aufholen. Foto Nowatzky
"Früher gab es im Unterricht nur das, was der Lehrer mitgebracht hat - heute bringen die Schüler Werkzeuge und Informationen in der Hosentasche mit ihrem Handy mit", sagt Jöran Muuß-Merholz. Der Berater hat die 95 Lehrkräfte der Stadtteilschule Am Heidberg und der gemeinsamen Oberstufe am Foorthkamp mit seinem Eröffnungsvortrag zum Pädagogischen Jahrestag eingestimmt.
Jöran Muuß-Merholz meint "Raum und Zeit funktionieren heute in der Schule anders.". Foto Nowatzky
"Heute funktionieren Raum und Zeit im Klassenraum anders", gibt er zu bedenken und erklärt: "Wenn Schüler in einer Gruppenarbeit über Neuseeland forschen, können sie im Chat mal schnell einen Kumpel in Neuseeland dazu fragen - wer hat dann eigentlich alles mitgearbeitet?" Der Diplom-Pädagoge berät Schulen auf dem Weg in die Digitale Welt und ist begeistert von der Langenhorner Stadtteilschule. "Hier ist nicht die Frage ob, sondern wie gehen wir mit Digitalisierung um", hat er bei den Workshops festgestellt. Das Besondere: Die meisten der 22 Workshops haben eigene Lehrkräfte angeboten. Nils Plathe ist Didaktischer Leiter für Unterrichtsentwicklung und erklärt warum: "Wenn wir uns nicht damit beschäftigen, lassen wir die Schüler mit dem Thema allein".
Stop Motion Filme mit dem Handy machen - hier probieren die Lehrer, was sie später mit Schülern im Unterricht einsetzen wollen. Foto Nowatzky
Ob Stop-Motion-Filme im Bio-Unterricht herstellen, aktuelle Web-Tools wie ein digitales gemeinsames Tafelbild oder ein vom Lehrer gefüttertes Glücksrad auf dem Handy, dass vorgibt, welche Vokabeln im Test drankommen - vieles wird an der Stadtteilschule bereits genutzt. Während der Workshops probieren deshalb alle aus und tauschen Erfahrungen. Zusätzlich sind externe Referenten zu Themen wie Cybermobbing, Urheberrecht und Datenschutz gekommen. Sogar Gäste aus Nordrhein-Westfalen sind dabei. Jens Frantzen mit drei Kollegen von der privaten Ganztagsschule Villa Wewersbusch erzählt von seinen Erfahrungen mit digitalem Lernen. "Wir haben pro Schüler ein I-Pad im Unterricht. In der Mittelstufe haben wir gar keine Schulbücher mehr."
Jenz Frantzen (v.) und Florian Kessler setzen schon viele Webtools im Unterricht ein. Foto Nowatzky
So weit ist die STS Heidberg noch nicht. Ein Tablet-Koffer kann für den Unterricht ausgeliehen werden, ansonsten sind sogenannte Whiteboards in den Klassenräumen im Einsatz. Doch auch die Smartphones der Schüler werden zunehmend genutzt - zum Beispiel bei einer Krimiralley durch den Stadtteil oder auf der Klassenfahrt. Damit ist die Schule hier im Norden bereits Vorbild.
Erschienen: Wochenblatt Langenhorn, Ausgabe 46 2016

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