Alte Dame soll wieder in die Luft

Tante JU wird für 900.000 Euro saniert

Von Stefanie Nowatzky
Fuhlsbüttel/Niendorf Soll Tante Ju wieder fliegen oder nicht? Für Horst Zöllner von der Deutschen Lufthansa Berlin Stiftung DLBS ist das keine Frage. Die 80-jährige Ju 52 ist eines der wenigen noch flugfähigen Exemplare des legendären Wellblechflugzeuges des Herstellers Junker und seit ihrer Wiederinbetriebnahme in Hamburg ein Liebling von Flugzeugfans.
Andreas Culliney-Zisowsky und Horst Zöller von der DLBS wollen unbedingt, dass Tante Ju wieder fliegt. Foto Nowatzky
Über 200.000 Gäste hatte der Oldtimer seitdem. Technik- und Historik-Experte Zöllner: "Es ist die einzige Maschine ihrer Art mit einer Zulassung für den kommerziellen Flugverkehr - das heißt, bei uns fliegen die Passagiere mit einem echten Ticket." Doch jetzt ist das Flugzeug bereits seit über einem Jahr am Boden geblieben, bei der jährlich fälligen Wartung im vergangenen Winter war zunächst ein gebrochener Mittelholm entdeckt worden, eine aufwändige Reparatur im Dock der Lufthansa Technik folgte. Und dann kam bei den Reparaturarbeiten der zweite Schock für die DLBS als Eigner des fliegenden Denkmals: In beiden Tragflächen müssen tragende Teile, die sogenannten Flächenholme, ausgetauscht werden. Damit stand nach der Restaurierung von 1986 nach dem Kauf der Maschine mit 900.000 Euro die zweitgrößte Sanierung der 1936 erstmals in Betrieb genommenen Maschine an.
Wieder einmal ohne Tragflächen: Die JU52 wird derzeit in der Luftwerft überholt. Foto Nowatzky
Im vergangenen Jahr stellte die Stadt Hamburg die Maschine unter Denkmalschutz als eines der wenigen mobilen technischen Denkmäler überhaupt. Nur deshalb ist jetzt auch die aufwendige Reparatur möglich. Die Deutsche Lufthansa als Stifterin der DLBS übernimmt 500.000 Euro der Kosten, bis zu 400.000 Euro werden aus einem Denkmalschutz-Sonderprogramm der Bundesrepublik bezahlt. Professor Holger Steinle, ehemaliger Leiter der Luft- und Raumfahrtabteilung des Deutschen Technikmuseums Berlin, ist deshalb als Fachgutachter für die Sanierung eingesetzt. Auch Steinle freut sich, dass die Tante Ju im kommenden Jahr voraussichtlich wieder fliegen wird. Er sagt: "Der Luftraum ist das einzig adäquate Element, quasi der Lebensraum eines Flugzeugs." Allerdings fühlt er sich als ehemaliger Museumsmann in Zwickmühle: "Bewahren oder Betrieb - die Ju ist ein Objekt, dass lohnt, dass man es für kommende Generationen erhält", meint er.
Professor Holger Steinle, Gutachter für die Sanierung, vor einer offenen Tragfläche der JU 52. Foto Nowatzky
Für die silberne Tante Ju bedeutet dass, dass zwar noch rund 80 Prozent des Originalflugzeuges erhalten sind, einige Teile wie die neuen Holme aber mit heutigen Werkstoffen ersetzt wurden. Dazu kommen Anforderungen der Flugsicherheit, ohne die die Maschine nicht in der kommerziellen Luftfahrt eingesetzt werden dürfte. Zöller: "Den Werkstoff der Holme gibt es schon seit 1942 nicht mehr - deshalb nehmen wir heutiges Material, dass dem entspricht." Dem Originalzustand der Maschine tut das keinen Abbruch - den Flugzeugteile müssen ohnehin ständig erneuert werden - eine Linienmaschine hat nach ca. 20 Jahren fast kein Bauteil mehr aus dem Auslieferungszustand. Nach eineinhalb Jahren in der Werft soll es im Frühjahr dann endlich wieder so weit sein, Tante Ju geht in die Luft. "Dann sind wir unserem Ziel näher", sagt Karl-Heinz Steinke, Vorstandsmitglied der DLBS. "Dem 100. Geburtstag unserer Ju 52 im Flugbetrieb." Noch im November 2016 werden die Ticketschalter geöffnet.
Erschienen: Wochenblatt Langenhorn, Ausgabe 44 2016

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