Wunden, Wettbewerbe und viel Spaß

Jugendrotkreuz sucht Nachwuchs

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Böse sieht die Platzwunde auf Annas Bein aus, sogar eine Scherbe steckt noch drin. Doch die 7-jährige lacht fröhlich - alles nicht echt. Ihre Jugendgruppenleiterin Oxana Wolter-Böhler legt gerade erst den kleinen Schwamm und das Theaterblut aus der Hand. Realistische Wunden schminken - ein Highlight der DRK-Kinder- und Jugendgruppe.
Eine Platzwunde - gekonnt als realistische Wunde geschminkt von Gruppenleiterin Oxana Wolter-Böhler. Foto Nowatzky
Fast alle möchten einmal das "Opfer" sein, doch die fröhliche Runde hat einen ernsten Hintergrund: Die Kinder lernen erste Hilfe, lernen, was sie bei einem Unfall als erstes tun - "112 anrufen", ruft Manuel - und auch, wo ihre Grenzen bei der Hilfe sind. "Die Glasscherbe dürftet ihr nicht herausziehen", erklärt Oxana und Tana Martens, JRK-Ortsgruppenleiterin in Norderstedt zeigt kurz, wie so eine Wunde für den Transport gesichert wird. Einmal in der Woche treffen sich die derzeit 7- bis 11-jährigen im DRK-Haus an der Ochsenzoller Straße. "Ich mag es zu lernen, wie man Leute retten kann", erzählt der 7-jährige Manuel. Heute darf er an der Puppe selbst ausprobieren, wie eine Herzmassage funktioniert. "Ganz schön anstrengend", findet er.
Manuel (7) übt zum ersten Mal Reanimation - an einer Puppe. Foto Nowatzky
Vor kurzem ist die Gruppe beim Wettbewerb des Jugendrotkreuz gewesen und hat dort bewiesen, dass sie neben Wundversorgung auch viele andere Dinge gelernt haben. "Das war cool", findet Hanna, mit elf Jahren im Moment die Älteste in der Gruppe. "Soziales Engagement ist wichtig", erklärt Oxana und erarbeitet mit den Kinder spielerisch auch Themen wie Flucht, Hilfe für Menschen mit Behinderungen oder sammelt gemeinsam Plastikdeckel um Impfungen gegen Kinderlähmung zu finanzieren. Neben sozialem Engagement gehören auch Einsatz für Umwelt, Frieden oder auch politische Mitverantwortung zu den Grundsätzen des Deutschen Jugendrotkreuz. Deshalb beschäftigen sich die "Milchschnitten" regelmäßig mit aktuellen Themen - aber nicht wie in der Schule, sondern oft als Spiel.
Anna ist heute Unfallopfer - die realistische Unfalldarstellung und die anschließende Versorgung gehören regelmäßig zu den Übungsstunden des Jugendrotkreuz. Foto Nowatzky
"Spaß gehört immer dazu", lächelt Oxana und freut sich, dass ihre "Milchschnitten" mit Begeisterung ihren Schlachtruf rufen: "Was sind wir - ein Team, was wollen wir - Spaß, wer sind wir - die Milchschnitten". Noch bis zum 27. September nimmt die Gruppe für dieses Jahr neue Mitglieder auf. Wer möchte, darf dreimal am Mittwoch von 17 bis 18.30 Uhr zur Probe kommen. Anmeldung unter tanjamartens@wtnet.de oder direkt im Büro des DRK Ochsenzoller Straße.
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 37 2016

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