Aus eins mach zwei

Geteilter Wohnraum statt neuer Wohnung

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Allein in einem 155 Quadratmeter großen Reihenhaus - so wollte Annerose Schultz nicht leben. Viel zu groß war das Haus aus den 70-ger Jahren in Glashütte, nachdem die Kinder aus dem Haus waren und ihr Mann 2011 verstarb. Zuviel Platz und zu hohe Energiekosten brachten die Rentnerin ins Grübeln. Im ersten kalten Wintermonat war sie dann entsetzt: "Das ganze Heizöl nur für mich allein", erinnert sie sich. Eine Option: Das Haus verkaufen und dafür eine passende Wohnung suchen. "Aber für die 300.000 Euro für mein Haus hätte ich nur eine kleine Wohnung bekommen und mein Haus wäre weg gewesen", brachte die heute 67-jährige in Erfahrung. Statt dessen kam sie auf eine andere Idee: Aus eins mach zwei. Denn ihr Reihenhaus eignete sich gut, um eine Maisonette-Wohnung abzuteilen und so zwei Wohnungen zu schaffen. Als gelernte Bauzeichnerin machte sich Annerose Schultz an die Arbeit und zeichnete Umbaupläne. Mit einer zusätzlichen Wand im Erdgeschoss trennte sie ihren Wohn- und Essbereich vom Treppenhaus, baute im 1. Stock eine zusätzliche Tür ein und schaffte mit einem Durchbruch aus ihrem Schlafzimmer ins Bad Fakten. Entstanden ist so zusätzlich eine 75-Quadratmeter Wohnung, die sie innerhalb einer Woche an eine junge Frau vermietete. "Als ich meinen Nachbarn erzählt habe, was ich machen will, haben alle entsetzt reagiert", schmunzelt die sympathische Rentnerin. "Wer weiß, wen Du da rein bekommst?" Schließlich ging sie mit ihrer Idee zur AG Wohnen der Zukunftswerkstatt Norderstedt. Angelika Kahlert, Vorsitzende des Seniorenbeirates, machte ihr Mut und so startete sie kurzentschlossen ihr Umbauprojekt. 14.500 Euro kosteten die Baumaßnahmen, dafür spart sie künftig 1200 Euro im Jahr Energiekosten und kann die Miete von 4680 Euro im Jahr gegenrechnen. In weniger als drei Jahren sind die Umbaukosten wieder drin und Annerose Schultz ist begeistert: "Es ist ein beruhigendes Gefühl, im Haus nicht allein zu sein." Dabei treffen sich Mieterin und Vermieterin gelegentlich auf der gemeinsamen Treppe und in der gemeinsam genutzten Waschküche. Für die Zukunftswerkstatt ist Anneroes Schultz Lösung ein Vorzeigemodell: "Klimaschutzeinsparung, soziale Aspekte und Wirtschaftlichkeit, das passt genau zu unserem Ansatz", sagt Ina Streichert, Stadt Norderstedt. Gemeinsam wollen sie andere Hausbesitzer unterstützen, Annerose Schultz Beispiel zu folgen. Erfahrungsberichte gibt Frau Schultz gerne direkt unter 040-5249677 oder über die AG Wohnen des Seniorenbeirates.
Erscheint: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 27 2014