200.000 Flieger am Flughafen Hamburg

Flughafenbienen schwärmen wieder aus

Von Stefanie Nowatzky
Fuhlsbüttel Die erste Ernte hat Ingo Fehr auch gleich einen Bienenstich beschert - der Flughafenimker hat wieder 200.000 Bienen auf dem 230 Hektar großen Gelände heimisch gemacht - auf der "größten Wiese Hamburgs" wie er sagt.
Ingo Fehr hat neben seinen 200.000 kleinen Fliegern auch die großen "Kollegen" am Flughafen im Blick. Foto Nowatzky
20 bis 25 Bienenstiche "kassiert" er pro Jahr - ein kleiner Preis findet der Allergiker, der sich extra für sein Hobby desensibilisieren ließ. Der Umweltingenieur hat als erster in Europa schon 1999 seine Bienen mit zur Arbeit genommen - und dort arbeiten sie jetzt auch für seinen Arbeitgeber Hamburg Airport. Denn die Bienen produzieren nicht nur um die 150 Kilo Honig sondern sind gleichzeitig als "Biodetektive" unterwegs. Zum einen lässt der Flughafen den Honig jedes Jahr beim Bieneninstitut in Celle und einem unabhängigen Labor in Süddeutschland analysieren. "Der Honig wurde jedes Mal als unbelastet beurteilt", darauf ist Ingo Fehr stolz. Aber auch die Bienen selbst sind ein Gradmesser für die Luftgüte direkt an der Startbahn. Sollten sie Umweltbelastungen ausgesetzt sein, würden sie außerhalb des Bienenstockes sterben. Weniger Bienen am Stock wären für Fehr also ein deutliches Anzeichen für schlechte Luft. Doch bisher fühlen sich die Bienenvölker wohl direkt neben den großen Fliegern. Jedes Jahr bringt Fehr sechs seiner zwölf Völker her, zieht möglichst auch neue Völker nach.
Imker Ingo Fehr kontrolliert sein neues Bienenvolk. Mit viel Hygiene, Teilung der Völker und Ameisensäure wirkt er auch gegen die Varroa-Milbe, die Bienenvölker massiv schädigt. Foto Nowatzky
Gerade hat er zwei neue Bienenkästen aufgestellt. In dem einen ist bereits eine neue Königin geschlüpft und hat die ersten Eier gelegt. Im zweiten Stock sind die Arbeiterinnen noch fleißig dabei, zehn Königinnen-Zellen zu pflegen. "Wenn die erste Königin schlüpft, tötet sie ihre Schwestern, geht auf den Hochzeitsflug und gründet dann ein neues Volk", erklärt Fehr. Für mehr Bienen am Flughafen. Inzwischen sind schon zahlreiche Flughäfen Fehrs Beispiel gefolgt, mehrere in Deutschland wie Frankfurt, aber auch weltweit wie Tel Aviv in Israel.
Ein neues Bienenvolk für den Flughafen: In den größeren Wachs-Kokons sind die künftigen Königinnen. Foto Nowatzky
Auch mit einem nächsten Projekt will der Flughafen im Umweltbereich eine Vorreiterrolle einnehmen. "Es gibt viel zu wenig Bienen in Deutschland"; erklärt Fehr. "80 Prozent der Bestäubung von Pflanzen erfolgt durch Bienen. Nicht nur Honigbienen sondern auch Wildbienen." Dazu gehört zum Beispiel die Hummel. Immerhin die Hälfte der 561 Wildbienenarten in Deutschland steht auf der roten Liste und ist vom Aussterben bedroht. Um diesen mehr Raum zu bieten, nimmt der Flughafen am fünfjährigen Projekt der Deutschen Wildtier Stiftung teil. Dazu gehört ein "Hotel am Hotel", ein Insektenhotel direkt vor dem Radisson am Parkdeck 4, umgeben von einem kleinen Beet mit passenden Nahrungs-Pflanzen für die kleinen Flieger. Ein weiteres steht auf der Terrasse des Airport-Verwaltungsgebäudes. Außerdem werden spezielle Saatmischungen auf den Flughafenwiesen gestreut, um den Insekten eine bessere Lebensgrundlage zu bieten.
Insektenhotel auf dem Parkplatz. Foto Nowatzky
Wer selber etwas tun möchte, für den hat Ingo Fehr einen Tipp: "Stellen Sie ein Insektenhotel auf und pflanzen Sie Lauch, Fingerhut oder ungefüllte Rosen. Damit bieten Sie Bienen ein zu Hause."
Erschienen: Wochenblatt Langenhorn, Ausgabe 24 2016

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