Kamerafahrt durch Norderstedt

Spezialfahrzeug dokumentiert Straßenzustand

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Jeweils zwei Kameras zeigen nach vorne, zu den Seiten und nach hinten, zusätzlich steht auf einem Stativ eine 360 Grad Kamera, die ein Panoramabild liefern soll - ein ungewöhnliches Bild in den vergangenen Tagen auf Norderstedts Straßen.
Stefan Lange wertet die Straßen-Bilder der 12 Kameras direkt im Wagen aus. Foto Nowatzky
Das "Eagle-Eye", wie der rund eine Million teure silber-orangene Kleinbus der Berliner Firma genannt wird, fuhr rund 300 Straßen-Kilometer einfach im fließenden Verkehr in Norderstedt auf und ab und erstellte im 5-Meter-Abstand Bilder vom Straßenbelag, von den Kantsteinen und dem direkten Straßenumfeld. "Das geht ganz automatisch, damit alle 12 Kameras auf einmal auslösen", erklärt Stefan Lange von der Firma eagle eye technologies. Dazu fährt das Auto viele Straßen sogar zweimal entlang- in beiden Richtungen. Der Umweltwissenschaftler sieht die Bilder direkt am Bildschirm im Wagen und wertet die Daten aus. "Wir können auf den Bildern jedes Schlagloch, den Zustand der Kanaldeckel und weitere Schäden sehen und in Karten eintragen", erklärt er.
Das 1 Million teure Eagle-Eye ist mit 12 Kameras ausgestattet. Foto Nowatzky
Etwa 30 Kilometer pro Tag können so exakt fotografiert und vermessen werden. Allerdings nur bei gutem Wetter. "Wenn es regnet, sind Tropfen auf den Kameras und außerdem spiegeln die nassen Straßen. Dann können wir den Zustand nicht vernünftig dokumentieren", sagt der Eagle-Eye-Experte. Für die Stadtverwaltung wird es am Ende eine ganz neue Straßenkarte geben: In grün über gelb bis knallrot werden dann die Straßen eingezeichnet sein, je nach Zustand. "Wir sagen der Stadt auch, wie viel Geld es kosten würde, um die jeweiligen Straßen in Stand zu setzen", so Lange weiter. Schon 2013 gab die Stadt eine erste Befahrung in Auftrag, mit der erneuten Tour sollen die Prioritätenlisten und Zeitpläne für Straßen-Reparaturen oder sogar eine komplette Sanierung erstellt werden. Zwar sind auf den Bildern der Kameras auch die angrenzenden Häuser und fahrende oder parkende PKWs zu sehen, doch die interessieren für die Auswertung nicht. "Der Datenschutz wird natürlich beachtet", verspricht Stadtsprecher Olaf Struppek. Das auffällige Fahrzeug erntete häufiger irritierte Blicke von Verkehrsteilnehmern oder Fußgängern. "Wir wurden auch schon angehalten und gefragt, was wir denn hier machen", erzählt Lange. "Wir werden oft für Google gehalten."
Die Kameras sollen Aufschluss über den Zustand der Norderstedter Straßen geben. Foto Nowatzky
Doch mit Bildern fürs Internet hat die Fahrt von Lange und seinem Kollegen Koch nichts zu tun. Nur die Stadtverwaltung erhält Bilder und Auswertungen.
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 17 2016

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