Weniger, nochmal, neu gestaltet

Wie Rohstoffe geschont werden können

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Alle zwei Minuten fällt weltweit eine Fußballfeld große Fläche Regenwald der Kettensäge zum Opfer - diese Zahl hat Faye ziemlich erschreckt.
Faye und Lilian arbeiten im Bioladen der Schule mit. Sie sind erschrocken, wie schnell die Ressourcen der Welt aufgebraucht werden. Foto Nowatzky
Die 14-jährige kommt gerade aus der Aula des Lise-Meitner-Gymnasiums. Dort war "REdUSE" zu Gast. Die Bildungskampagne zum Umgang mit den Ressourcen der Erde will in rund drei Jahren bundesweit über 500.000 Schüler mit ihrer UNESCO-zertifizierten Multivision erreichen. Die Unesco, Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, hat "Bildung für nachhaltige Entwicklung" für die nächsten Jahre auf ihre Fahnen geschrieben.
Thomas Kohl ist Umweltbeauftragter der Schule. "Reduse zeigt was jeder einzelne gegen den Ressourcenverbrauch machen kann, das finde ich gut.". Foto Nowatzky
In Norderstedt meldete sich von den weiterführenden Schulen bisher nur das Lise-Meitner-Gymnasium an. Thomas Kohl ist Biologielehrer und Umweltbeauftragte der Schule. Er hat die Veranstaltung für die 8. bis 13. Klassen nach Glashütte geholt. "In unserem Bioladen gibt es jede Pause Schulmaterial mit dem blauen Engel, Nachhaltigkeit ist bei uns seit vielen Jahren ein Thema", sagt der Pädagoge. Schwerpunkt der Multivision ist der Umgang mit Rohstoffen: Weniger, Wiederverwerten und Wiederverarbeiten sind die Stichworte, die Moderator Jonas Laß schon in der kurzen Einführung ins Spiel bringt. Er will die Schüler neugierig machen und vor allem klar machen: "Der Konsument hat Macht".
Kristin Ploch will noch mehr für die Umwelt tun. Die ehemalige Schülerin greift möglichst nur zu Mehrwegverpackungen - auch bei Shampoo. Foto Nowatzky
250 Schüler sitzen an diesem Tag in seinen beiden Vorträgen, 250 Schüler, die er anstoßen möchte. In der ersten Runde gelingt ihm das schnell: Ein Viertel der gut 100 Schüler stehen im Raum, als Laß sagt: "Seht Euch mal um. Ihr seid die Reichen der Welt. Was passiert, wenn die 3/4 um Euch herum sich wehren, dass ihr 75 Prozent der Ressourcen verbraucht und für sie nur ein Viertel bleibt?" Auch Faye und ihre Freundin Lilian sind beeindruckt. "Ich verzichte schon jetzt beim Shoppen auf Plastikbeutel und möglichst auch auf Plastikflaschen", sagt die 14-jährige Lilian. Der Film des Hamburger Vereins für Jugend und Erwachsenenbildung zeigt anschaulich den heutigen Umgang mit nachwachsenden und nicht nachwachsenden Ressourcen, ein junges Mädchen führt mit Fragen durch die Themen. "Was kann ich selbst tun?" steht immer wieder hinter den Informationen, dazu gibt es Beispiele wie Designer von Daniel Kroh, der mit gebrauchten Stoffen arbeitet. Besonders der Verbrauch von Aluminium interessiert die Schüler. Denn die in Tablets, Smartphones oder PCs verbauten Ressourcen kommen oft nicht in den Kreislauf zurück. Die Klasse von Chemielehrerin Michaela Birkemeyer hat sich extra auf Reduse vorbereitet, hat Jonas Laß vorher Fragen zum recyclen, upcyclen und reduse geschickt. "Meine Schüler wollten mehr zu Recycling wissen. Vor allem rund um die Metalle: Wie wird es gewonnen, hergestellt und wann ist es verbraucht", erzählt sie. "Norderstedt ist, was recycling angeht, ziemlich fit", meint sie und nennt das Repaircafé oder die Bücher-Tausch-Börse im Rathaus als Beispiel. Kristin Ploch geht das alles noch nicht weit genug. Sie ist extra für den Vortrag noch mal an ihre Schule gekommen. Im vergangenen Jahr hat die 20-jährige Abitur gemacht, war als 5.-Klässlerin Mitgründerin des Bioladens. Schon heute verzichtet sie auf Plastikflaschen, fährt möglichst Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln und nutzt wiederverwertbare Verpackungen.
Bergeweise Müll - Reduse zeigt Schülern, wie Ressourcen heute verschwendet werden. Foto Nowatzky
Mit ihrem ehemaligen Lehrer Thomas Kohl ist sie einig: "Der Film hatte eine positive Sichtweise: Jeder kann etwas tun, wir als Verbraucher haben die Macht, etwas zu ändern."
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 12 2016

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