Fußball verbindet

Schüler leiten Fußballgruppe für Flüchtlingskinder

Von Stefanie Nowatzky
Hummelsbüttel/Langenhorn Fußball ist international - diese Erfahrung machen gerade Leon, Hannes und Sherwien. Die drei Schüler des Gymnasiums Hummelsbüttel engagieren sich an den Sonnabend-Nachmittagen in der Zentralen Erstaufnahme für Flüchtlinge am Grellkamp und leiten eine Fußballgruppe für 8 bis 12-jährige Flüchtlingsjungen.
Sherwien, Leon und Hannes (v.l.) leiten das Fußballtraining in der Flüchtlingsunterkunft. Foto Nowatzky
In der ehemaligen Schule sind viele Familien untergebracht, für die Kinder ist der Fußballnachmittag eine willkommene Abwechslung in der Unterkunft, haben die drei Schüler festgestellt. Die Idee entstand am runden Tisch des Gymnasiums: Weil die eigene Sporthalle renoviert wird, weichen die Schüler in den kommenden Wochen in die leer stehende Halle der ehemaligen Langenhorner Schule aus. Dort wollten Schüler und Lehrer aber nicht nur Gast sein, sondern sich mit einbringen, sagt Dorothee Welter-Hanau. Die Lehrerin koordiniert das Sportprojekt. Seit Mitte Februar sind immer zwei der Schüler ab 15 Uhr am Grellkamp, gemeinsam mit Lehrern als Aufsicht und Dolmetschern aus der Unterkunft. Dabei ist ihr Angebot eines von mehreren, die über Vermittlung des "Freundeskreises Grellkamp" entstanden sind. Leon trainiert selbst eine Mädchenmannschaft bei SC Alstertal Langenhorn (SCALA), seine beiden Freunde beim gleichen Verein gemeinsam eine Jungenmannschaft. "Der Unterschied ist gar nicht so groß", findet Leon. "Es sind halt neue Gesichter." Und die fehlende gemeinsame Sprache stellt zwar eine Barriere dar, lässt sich aber durch Gesten und viel Vormachen bei Übungen leicht ersetzen. Vor allem die Begeisterung, mit der der Flüchtlingsjungs dabei sind, motiviert auch die jungen Trainer: "Die wollen alle, haben richtig Lust und machen gut mit", stellt Hannes (15) fest.
Dorothee Welter-Hanau koordiniert das Sportprojekt der Hummelsbütteler Schüler in der Flüchtlingsunterkunft Grellkamp. Foto Nowatzky
Sein Trainerkollege Sherwien meint: "Unsere Vereinsmannschaft bereiten wir im Training auf das Wochenende, aufs gewinnen vor. Hier geht es nur um Spaß." Leon (16) ergänzt allerdings: "Die Jungs nehmen das schon ernst, wollen sich präsentieren und zeigen, dass sie gut sind, dass sie etwas wert sind." Die drei 10.-Klässler sind beeindruckt, wie gut sich die bis zu 14 Kinder im Training gegenseitig unterstützen, obwohl sie ganz unterschiedliche Sprachen sprechen. Besonders ein zehnjähriger hat bei Sherwien einen bleibenden Eindruck hinterlassen: "Der hat in fließendem Englisch für alle gedolmetscht." Jeden Sonnabend wollen die Schüler in der Halle Fußball anbieten, rekrutieren dazu gerade noch mehr Mitstreiter unter den Mitschülern. "Ziel ist, dass jeder vielleicht einmal im Monat das Training macht", meint Leon. Denn die ganze Aktion soll freiwillig bleiben und auch den Trainern weiter Spaß machen, das ist auch Dorothee Welter-Hanau wichtig. Demnächst sollen noch weitere Angebote dazukommen.
Hannes und Sherwien erklären den Jungs in der Flüchtlingsunterkunft die Übungen beim Fußballtraining. Repro Nowatzky
Ein Basteltreff für Mädchen und später vielleicht ein Fußballturnier haben Schüler und Lehrer noch in Planung.
Erschienen: Wochenblatt Langenhorn, Ausgabe 10 2016

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