Integration mit Kultur

Kulturkarte für Flüchtlingskinder läuft gut an

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Bambababam - schallt es durch die Aula der Schule am Aurikelstieg. Auf sechs Trommeln schlagen Kinderhände den Rhythmus, den Lehrer Aminu vorgibt. Einige sind schon zum vierten Mal dabei, andere gerade erst heute dazu gekommen.
Im Sambakurs geht das Thema Integration auf: Drei Schüler von Lehrer Aminu (l.) kommen aus den Flüchtlingsunterkünften. Foto Nowatzky
Drei der sechs Kinder haben eine "Kulturkarte Norderstedt", kurz KKN, kommen aus den Flüchtlingsunterkünften und dürfen kostenfrei teilnehmen. Der Sambakurs ist Teil des Integrationsprojektes KKN von Musikschule und Willkommenteam. Seit 1. Februar laufen die Kurse, bei denen Kinder aus den Flüchtlingsunterkünften meist gemeinsam mit anderen Musik machen, Theater spielen, tanzen oder auch malen und gärtnern. Kulturelle Integration ist das Stichwort, mit dem die Musikschule angetreten ist, um Angebote für die inzwischen knapp über 120 Kinder in den Unterkünften zu schaffen. 36 von haben den Weg in die Kurse gefunden, eine gute Quote, wie Musikschulleiter Rüdiger George findet. Trotzdem gibt es Verbesserungsmöglichkeiten: "Wir haben sehr deutsch gedacht", schmunzelt George. So müssen auch die Flüchtlingskinder zur Anmeldung ins Rathaus kommen - eine Hürde, die für manche Familien offenbar zu hoch ist. Außerdem ist das Konzept, die Kinder zu Kursen außer Haus zu geben, vielen Flüchtlingsfamilien fremd. "Die Mütter schicken ihre Kinder nicht alleine hin und kommen aber auch nicht auf die Idee, sie dorthin zu begleiten", sagt Susanne Martin, Vorsitzende des Willkommenteam. "Integration braucht vor allem Zeit." Während für viele Familien in Norderstedt Angebote der Musikschule oder der Sportvereine zum Alltag gehören, müssen die Eltern der Flüchtlingskinder das Angebot erst kennenlernen und annehmen. Dabei dürfen die Kids kostenfrei an den Angeboten teilnehmen, die Stadtvertreter hatten dazu jeweils 10.000 Euro pro Jahr bereit gestellt. Das Projektteam Kulturkarte will reagieren und die ursprünglich erst ab Sommer geplante Werbung im DAZ-Zentrum vorziehen. "Dort können die Lehrer die Schüler in den Deutschkursen direkt ansprechen und das Angebot vorstellen", so George. Und auch die Anmeldung soll einfacher werden. Statt wie bisher im Rathaus können Eltern ihre Kinder künftig in den Unterkünften anmelden. Und das Willkommenteam sucht weiter "Kulturpaten", die vor allem zu Beginn mit Kindern gemeinsam zu den Kursen gehen, um die Hemmschwelle zu nehmen. Trotzdem werden einige Angebote nicht zustande kommen, weiß auch George. "Aber das ist bei Kursen immer so", winkt er ab. Besonders in den letzten Monaten sind viele Familien mit Kindern nach Norderstedt gekommen, auch zukünftig erwartet Stadträtin Anette Reinders viele Familien für die gerade im Bau befindlichen Unterkünfte. "Und ein Projekt wie die Kulturkarte ist eine von vielen kleinen Maßnahmen zur Integration", sagt die Sozialdezernentin.
Freuen sich, dass ihr Konzept aufgeht: Susanne Martin, Willkommenteam, Rüdiger George, Musikschule und Anette Reinders, Stadträtin. (v.l.).Foto Nowatzky
Im Sambakurs von Aminu ist auf jeden Fall noch viel Platz, bis zu 30 könnten laut Lehrer Aminu mitmachen und für interkulturellen Sound sorgen.
Erschienen: Norderstedt Wochenblatt, Ausgabe 10 2016

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