Hin zu den Jugendlichen

Neues Konzept der offenen Arbeit beschlossen

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt "Jetzt ist es endlich eingetütet", fällt Petra Müller-Schönemann ein Stein vom Herzen. Nach fünf Jahren hat der Jugendhilfeausschuss ein neues Konzept für die Offene Kinder und Jugendarbeit beschlossen - höchste Zeit, wie alle Beteiligten finden.
Das Spielmobil Fidibus ist ein Erfolgskonzept - mit ihm kommen die Mitarbeiter der offenen Kinder und Jugendarbeit direkt zu ihren "Kunden". Zukünftig soll es ein weiteres Spielmobil und einen Jugendbus geben. V.l. Olli, Sylvana und Petra. Foto Nowatzky
"Das Freizeitverhalten der Jugendlichen hat sich geändert und auch die freien Zeiten durch die Ganztagsschule", sagt Klaus Struckmann, als Leiter des Jugendamtes verantwortlich für das neue Konzept. Schon seit 2011 gab es zwischen Verwaltung und Politik viel Hin und Her um das neue Konzept. Katrin Schmieder, Grüne: "Wir hatten einen ganz schönen ZickZack-Kurs in den letzten Jahren. Am Ende mussten wir eigene Ideen und Erfahrungen loslassen und den Mitarbeitern des Jugendamtes einfach mehr Vertrauen." Endgültig Schwung in den langwierigen Prozess hatte ein Gutachten gebracht. Professor Deinet vom Institut für sozialraumorientierte Praxisforschung und Entwicklung hatte auf den Punkt gebracht, woran es in Norderstedt fehlt. Er befragte über 600 Kinder und Jugendliche, leitete Workshops und beteiligte den Kinder und Jugendbeirat KJB. Das Ergebnis: Jedes Jugendhaus braucht ein eigenes Profil und die Mitarbeiter können nicht in den Jugendhäusern auf die Jugendlichen warten, sondern müssen mehr als bisher zu ihnen gehen.
Klaus Struckmann ist froh - seine Mitarbeiter haben jetzt Sicherheit für ihre Arbeit und können Ideen umsetzen. Foto Nowatzky
"Sozialdezernentin Anette Reinders: "Wir müssen dahin, wo die Jugendlichen sind!" Die Arbeit mit dem seit Jahren erfolgreichen Spielmobil Fidibus zeigt schon jetzt, wie es zukünftig aussehen kann. Mit mobilen Angeboten kommen die Mitarbeiter dorthin, wo die Kinder sind - auf Spielplätze und auch zu den Flüchtlingsunterkünften. Deshalb beschloss der Ausschuss jetzt auch einstimmig: Zwei neue Busse für mehr Arbeit vor Ort müssen her. Anschaffungskosten zusammen 60.000 Euro, jährliche Kosten etwa 12.000 Euro. Zum einen soll ein zweites Spielmobil angeschafft werden, mit dem dann die Stadtteile Garstedt und Glashütte versorgt werden können. Zurzeit fährt der Fidibus vor allem Friedrichsgabe , Norderstedt Mitte und Harksheide an. Ein Bus soll als Jugendmobil eingerichtet werden, gemeinsam mit dem KJB wollen die Mitarbeiter von Struckmann hier Ideen für die Ausstattung finden. Er kann sich zum Beispiel Sportgeräte oder auch Internet-Hotspots für die Treffpunkte der Jugendlichen vorstellen. "Es gibt in jedem Stadtteil Treffpunkte: Den Stadtpark, den Willy-Brand-Park oder den Ossenmoorpark - dort kommt das Jugendmobil dann hin und wirbt auch für die Angebote in den Jugendhäusern", stellt er sich vor. Diese haben sich schon vor dem Ausschussbeschluss auf den Weg gemacht, einige ihrer Ideen umgesetzt. So setzt das Haus Glockenheide in Friedrichsgabe auf ein Kulturcafé, der Bunker in Norderstedt-Mitte mit Unterstützung des KJB stärker auf Angebote für ältere Jugendliche, wie den Bunkerabend. Das hat sich schon herumgesprochen - um die 100 Jugendliche kommen Ende der Woche Abends in den Jugendbunker.
Petra Müller-Schönemann, Katrin Schmieder und Sybille Hahn vom Jugendhilfeausschuss "tüteten das neue Konzept ein." Foto Nowatzky
Mehr Geld für das neue Konzept ist nicht eingeplant, die Zahl der Jugendhäuser bleibt, auch die Mitarbeiterzahl. Das Geld für die neuen Busse ist da, weil auf ein bereits eingeplantes zusätzliches Jugendhaus in Harksheide (Kosten rund 700.000 Euro) verzichtet wird.
Erschienen: Norderstedt Wochenblatt, Ausgabe 10 2016

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