Zukunftsvision Radlerstadt Norderstedt?

Workshop soll neue Ideen einsammeln

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt "Keine Kanten für Radler", wünscht sich Rolf Jungbluth vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ADFC Norderstedt ADFC.
Mona Böcker, Thomas Möller und Christine Werner wollen beim Workshop neue Ideen für Fahrradverkehr in der Stadt einsammeln. Foto Nowatzky
Dabei findet der passionierte Radfahrer: "Es hat sich in den letzten Jahren viel für Radfahrer hier getan." Trotzdem sieht er noch genug Nachholbedarf, vor allem in der Gleichbehandlung von Auto und Radverkehr. Seine Ideen hat er beim Workshop der Stadt in dieser Woche eingebracht. Die Verwaltung will das alte Radverkehrskonzept aus dem Jahr 2007 fortschreiben, hat sich dafür mit den Büros "team red" und "toller Ort" Hilfe ins Boot geholt. Bisher gab es Bürgerbefragungen auf der Straße und auch das erste "Fahrrad-Politik-Audit" Anfang des Jahres. Jetzt kamen die Norderstedter im Workshop zu Wort. Gerade erst hatten die Grünen im Ausschuss für Stadtentwicklung die Umsetzung der noch offenen Punkte aus dem alten Konzept eingefordert (das Wochenblatt berichtete). Grünen-Fraktionsvorsitzender Detlev Grube ärgerte sich: "Der Wille zur Umsetzung fehlt." Inzwischen beschloss der Ausschuss, die 15 bisher nicht umgesetzten Maßnahmen möglichst 2016 umzusetzen. Breitere Radwege zum Beispiel an der Poppenbütteler Straße scheiterten nach Darstellung der Verwaltung bisher schlicht daran, dass die dafür nötigen Grundstücke nicht der Stadt gehören. "So ein Konzept gibt Ziele vor - wenn die Umsetzung nicht immer funktioniert, muss man eben neu gucken", begründet Thomas Möller von team red, warum schon jetzt das neue Konzept auf den Weg gebracht werden soll. Viel habe sich seit 2007 geändert, sowohl in der Rechtslage als auch beim Fahrverhalten der Radler. Und es gibt gute Beispiele zum Nachahmen: Kopenhagen als Weltfahrradstadt aber auch Kiel oder Rostock vergleichsweise nah dran. "Norderstedt", sagt beispielsweise Herbert Brüning von Nachhaltiges Norderstedt, " ist als Autostadt gebaut." Neue Konzepte könnten auch mehr Gerechtigkeit bieten. Ampelschaltungen, Fahrradstraßen, Vorfahrtsregelungen oder auch der Kostenaspekt gehören dazu. "Das neue Fahrradparkhaus am Rathaus zum Beispiel ist super, und auch die Gebühren sind in Ordnung", sagt Rolf Jungbluth. Die Auslastung gibt ihm Recht, denn nach nur wenigen Wochen sind bereits 90 der 450 Stellplätze fest vermietet. Doch das gleichzeitig PKWs kostenfrei parken dürfen ist ihm ein Dorn im Auge. Er rechnet vor: "Ein Tiefgaragenplatz kostet im Bau mindestens 25.000 Euro - und trotzdem parken die Autos umsonst." Auch die Grünen wollen das Thema Parkraumbewirtschaftung mit auf die Tagesordnung setzen. Auf dem Themenzettel für den Workshop liest sich das so: "Gleichberechtigung von Auto und Radverkehr: Vision und Wirklichkeit".
Rolf Jungbluth vor dem neuen Fahrradparkhaus. Die Gebühren sind in Ordnung, meint er, fordert aber Gleichberechtigung mit Autostellplätzen. Foto Nowatzky
Außerdem mit dabei: Ausbau des Leihfahrradnetzes und Potential der geplanten Transporträder.
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 05 2016

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