Neuer alter Oberbürgermeister für Norderstedt?

Wahlbeteiligung als Zufriedenheitsbarometer

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Am 24. April wählen die Norderstedter ihren Oberbürgermeister. Bei der letzten Wahl 2010 gingen immerhin 43 Prozent der gut 61.000 Wahlberechtigten zur Urne.
Neuer alter Chef im Rathaus? Amtsinhaber Hans-Joachim Grote ist bisher einziger Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl am 24. April. Foto Nowatzky
Ob es in diesem Jahr wieder eine ähnlich gute Wahlbeteiligung geben wird, darf bezweifelt werden. Denn nur bis 7. März können Wahlvorschläge zur Direktwahl eingereicht werden und bisher gibt es nur einen Kandidaten: Amtsinhaber Hans-Joachim Grote. Seit 1998 lenkt der 60-jährige schon die Geschicke der Stadt als oberster Verwaltungschef, zunächst als Bürgermeister und seit 2010 als Oberbürgermeister. Die SPD als zweitstärkste Fraktion in der Stadtvertretung wird keinen eigenen Kandidaten stellen, ebenso wenig die anderen Parteien. "Uns ist es nach drei Wahlgängen mit ganz unterschiedlichen Bewerbern nicht gelungen, einen aussichtsreichen Bewerber oder eine Bewerberin aus den eigenen Reihen für einen Kandidatur gegen den Amtsinhaber zu gewinnen", sagt SPD-Ortsvorsitzende Katrin Fedrowitz. Zuletzt hatte Grote 2010 die SPD-Kandidatin Kriston mit 62,8 Prozent weit hinter sich gelassen. FDP und WiN attestieren Grote viele Erfolge in seiner bisherigen Amtszeit. FDP-Fraktionsvorsitzender Klaus-Peter Schroeder sagt: "Wir sind nicht immer einig, aber der Amtsinhaber macht viele und gute Sachen für Norderstedt." Er geht allerdings von einer ganz anderen Wahlsituation in sechs Jahren aus, wenn sich der Amtsinhaber nicht wieder zur Wahl stellen wird. Und Reimer Ratje, Fraktionsvorsitzender WiN: "Bei Finanz und Wirtschaftsthemen ist der Oberbürgermeister unschlagbar". Allerdings wird seine Partei Grote trotzdem nicht unterstützen. Sie werfen ihm vor, die Themen Fluglärm und Verkehrsprobleme nicht genügend berücksichtigt zu haben. Auch bei aktuellen Themen wie der geplanten Großsporthalle fühlen sich die Kommunalpolitiker nicht ausreichend informiert. Die Grünen, die ebenfalls von einer eigenen Kandidatur absehen, wollen sich schon mal für die Wahl 2022 in Stellung bringen. "Es ist kein gutes Zeichen für die Demokratie, dass es bei einer Wahl nur einen Kandidaten gibt. Wir sind sicher, dass das beim nächsten Mal anders aussehen wird", so Sprecherin Alske Freter. Gemeinsam beschlossen die Parteien im Hauptausschuss, jetzt noch eine Anzeige in der überregionalen Tagespresse zu schalten. Bis zum Fristende am 7. März könnten sich noch Bewerber aufstellen lassen, ohne Unterstützung einer Partei aus der Stadtvertretung sind dafür mindestens 195 Unterschriften von Norderstedter Wahlberechtigten erforderlich. Gewählt wird, wer am Ende mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhält - auch wenn nur wenige Bürger zur Wahl gehen sollten. Die CDU mit Amtsinhaber Hans-Joachim Grote hofft trotz der Situation auf eine Wahlbeteiligung von über 30 Prozent und damit eine Unterstützung für den bisherigen Oberbürgermeister. "Ein Ja ist bei nur einem Kandidaten vor allem ein Ja zur bisherigen aber auch zur zukünftigen Entwicklung unserer Stadt", sagt Grote selbst. Eine vernünftige Wahlbeteiligung - und Bestätigung - sei eben auch gleichzeitig Motivation für die Arbeit. Kasten: Gewählt wird am 24. April in den üblichen Wahllokalen für die 40 Wahlbezirke, nur Bezirk 162 wird neu in der Gemeinschaftsschule Harksheide wählen, da der ehemalige Raum Fadenstannen inzwischen als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird. Die Wahllokale werden von 8 bis 18 Uhr geöffnet sein.
Im April wird für die kommenden sechs Jahre der Oberbürgermeister und damit Verwaltungschef des Rathauses gewählt. Foto Nowatzky
Wahlscheine und Briefwahlunterlagen gibt es vom 21.3. bis 22. April gegen Vorlage der Wahlbenachrichtigungskarten. Der Wahlbrief muss auch bis spätestens 18 Uhr am Wahltag eingegangen sein.
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 05 2016

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