Begleitung bis zum Schluss

Omega-Verein in Norderstedt hat viel vor

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Sandra Heinicke sitzt in dem noch kahlen Raum in der Ulzburger Straße. Hier entsteht das Büro von Omega Norderstedt e.V..
Jutta Mattwig ist eine von derzeit 16 Sterbebegleiterinnen. Sie besucht seit sieben Jahren Schwerkranke - am liebsten mit dem Fahrrad. Foto Nowatzky
Die frischen weißen Wände sind auch ein Zeichen für den Neuanfang, den der ambulante Hospizdienst in diesem Jahr anschieben will. Viele Jahre war die ehrenamtliche Regionalgruppe als Teil des Deutschen Roten Kreuz DRK heimatlos. Mitgliedertreffen oder Schulungen fanden beim DRK an der Ochsenzoller Straße statt, die Leitungsgruppe um Ursula Kaltenthaler und Dr. Friederike Kühnemund in den Wohnzimmern der Damen. Seit auch der Gesetzgeber die Leistung der Sterbebegleiter als wichtigen Baustein in der Betreuung Schwerkranker erkannt hat, hat sich jedoch einiges geändert. Seit kurzem dürfen hauptamtlich Beschäftigte die Koordination der ehrenamtlichen Sterbebegleiter übernehmen- das Geld kommt von den Krankenkassen. Mit einem Betrag pro Sterbebegleitung können Koordinatorenstelle und auch Schulungen für die Begleiter bezahlt werden. Der Verein in Norderstedt stellt sich mit der Koordinatorin Sandra Heinicke neu auf. Die 42-jährige ist jetzt erste Ansprechpartnerin für Schwerkranke und Angehörige, aber auch für Pflegedienste oder Altenheime. Sie stellt den Kontakt zu den ehrenamtlichen Begleitern her, wie zum Beispiel zu Jutta Mattwig. Die 61-jährige ist seit sieben Jahren in Norderstedt Begleiterin, fährt möglichst mit dem Fahrrad zu den Schwerkranken nach Hause oder auch ins Seniorenheim oder Hospiz. Dort ist sie vor allem eines: Ein zuhörbereiter Gesprächspartner. "Jede Begleitung ist unterschiedlich", erzählt sie. In der Regel kommen die Begleiter einmal in der Woche, zum Lebensende der besuchten Schwerkranken manchmal sogar täglich. "Es geht immer nach den Wünschen des Besuchten", sagt Heinicke. Gespräche beginnen oft ganz allgemein. Erst wenn man sich besser kennt, bekommt auch das Thema Tod seinen Platz im Gespräch. Manchmal sind die Begleiter aber auch einfach nur da, um menschliche Anteilnahme zu spenden. "Besonders, wenn wir erst sehr spät gerufen werden, ist das schwer", sagt Heinicke. Und auch Jutta Mattwig bedauert: "Es ist schwierig, wenn der Kranke nicht mehr sprechen kann und man sich eigentlich zu kurz für Verstehen ohne Reden kennt." Sandra Heinicke möchte Omega in Norderstedt bekannter machen - vor allem um dem Thema Sterben das Tabu zu nehmen. Dafür sucht sie mehr Menschen, die sich zum Sterbebegleiter ausbilden lassen. Aber auch ehrenamtliche Helfer, die sich um die Themen Öffentlichkeitsarbeit oder Social Media wie Facebook und Co kümmern möchten. Denn wenn der Hospizdienst bekannter wird, so hofft sie, fällt es Schwerkranken und ihren Angehörigen leichter, die Hilfe frühzeitiger in Anspruch zu nehmen. Ein Baustein dazu sind auch die regelmäßigen Infoabende, immer am zweiten Dienstag im Monat.
Noch sind die Wände kahl und auch das Mobilar kommt erst im nächsten Monat: Omega-Koordinatorin Sandra Heinicke im neuen Büro an der Ulzburger Straße. Foto Nowatzky
Nächster Termin: 09. Februar 18.30 Uhr im DRK-Haus Ochsenzoller Str. 124. Informationen unter www.omega-norderstedt.de
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 02 2016

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