Zukunftsforschung aus Norderstedt

Blick in den Weltraum mit Radioteleskop LOFAR

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Als das Weltraumteleskop Hubble die ersten gestochen scharfen Bildern aus dem Weltraum schickte, war die Euphorie nicht nur bei den Wissenschaftlern groß. Einen ähnlichen Quantensprung erwarten sich die Astronomen jetzt von einem Norderstedter Feld. Auf dem Land von Bauer Hans-Peter Krohn sollen Antennen die Radiowellen aus dem Weltall erfassen und erforschbar machen. Etwa 200 Antennen mit einer Höhe von 1,70 Meter werden auf dem Feld verteilt, gemeinsam mit weiteren Stationen in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Großbritanien und Schweden bilden sie das LOFAR-Teleskop. Das Besondere: Die mit Hochleistungsrechnern verbundenen Teleskope ergeben zusammen Daten, für die sonst ein Teleskop von der Fläche Westeuropas gebaut werden müsste. "Ein Radioteleskop kennen vor allem James Bond-Fans", erzählt Marcus Brüggen, Professor an der Sternwarte Bergedorf und Leiter des LOFAR-Projektes Norderstedt. Denn im Film Golden Eye spielt der im Durchmesser 304 Meter große Reflektorschild in einem ehemaligen Vulkan eine entscheidende Rolle. "Wir wollen Bilder des gesamten Himmels machen, wie sie noch nie gemacht wurden", verspricht sich der Professor von der neuen Station. Damit wird Norderstedt zum ersten Mal im Bereich der Grundlagenforschung eine Rolle spielen, ein Punkt, der den Oberbürgermeister besonders interessiert. "Das ist ein Projekt, das weit voraus ist - das passt zu "Norderstedt, eine Idee voraus", meinte Hans-Joachim Grote. Vom Norderstedter Feld werden die Daten mit einem Hochleistungs-Glasfaserkabel zunächst zur Universität in die Schlüterstraße übertragen und von dort weiter nach Groningen zum Zentralcomputer. Das stadteigene Unternehmen Wilhelm.tel erhielt den Zuschlag für die Datenübermittlung nach Hamburg. Start für nötige Planierarbeiten ist im August, Ende November wollen die Wissenschaftler die ersten Daten sammeln. Dabei kann das Teleskop in Norderstedt im Verbund Bilder erster Sterne, von Sternenexplosionen oder Strahlen liefern, die zur Erforschung des Urknalls oder der Überprüfung von Einsteins Relativitätstheorie genutzt werden können. Das Feld am Harthagen wird aber auch für einzelne Forschungen Bilder liefern. So will Joris Verbiets, Junior Professor der Uni Bielefeld, mit den Bildern Neutronensterne erforschen und erhofft sich neue Möglichkeiten zur Erforschung der Sonne und des Weltraumwetters. Und auch die Norderstedter Schüler könnten von dem neuen Teleskop profitieren. "Wir können uns vorstellen, den Physiklehrern Bilder zur Verfügung zu stellen, damit ganz praktische Arbeit mit modernsten Forschungsdaten möglich", verspricht Dr. Dieter Engels von der Hamburger Sternwarte.
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 23 2014