Weihnukka in Norderstedt

Wie eine christlich-jüdische Familie die Vorweihnachtszeit feiert

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Auf dem Tisch steht der Adventskranz mit zwei Kerzen, daneben entzündet Ayala Nagel sechs Kerzen an ihrer Chanukkia.
Gemeinsam zünden Tamara, Ayala, Andreas und Rimona Nagel (v.l.) die Chanukkia an, die traditionellen Kerzen zum jüdischen Lichterfest. Foto Nowatzky
Mit ihren Töchtern Tamara (15) und Rimona (12) feiert die Vorsitzende des Vereins "Chaverim - Freundschaft mit Israel" das Jüdische Lichterfest. In diesem Jahr liegt Chanukka mitten in der Vorweihnachtszeit, am zweiten Adventssonntag zündeten überall auf der Welt jüdische Gläubige die erste Kerze an ihrem Chanukka-Leuchter an, am 14. Dezember die achte und letzte. Gefeiert wird die Befreiung des heiligen Tempels in Jerusalem von den Griechen, 164 vor Christus. Der Termin ist immer am 25. Tag des Monats Kislew, und damit immer rund um das christliche Weihnachtsfest herum. In der Norderstedter Familie werden beide Feste gefeiert. Ihr Mann Andreas ist Christ, Ayala und die Töchter gehören zur Jüdischen Gemeinde. "Es gibt viele Gemeinsamkeiten", erzählt die Israelin. "Beides wird mit Licht und Kerzen gefeiert und möglichst mit der ganzen Familie. Bei uns feiern wir "Weihnukka"", sagt sie schmunzelnd. Landesrabbiner Shlomo Bistritzky hätte es gerne getrennter: "Die Feste sind fast zu gleicher Zeit sind, das ist ein Vorteil. So können Eltern ihren Kindern erklären: Die Christen feiern Weihnachten, wir feiern jetzt Chanukka." Weil nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in der Schule die christlichen Feste sehr präsent sind, hat seine Gemeinde die jüdische Schule gegründet, die auch seine eigenen Kinder besuchen. So ist die Besinnung auf die eigenen Traditionen auch für die Kinder einfacher, meint der Rabbiner. Jüdische Kinder bekommen an Chanukka kleine Geldgeschenke. Zum behalten oder um sie für einen guten Zweck auszugeben. "Das ist die Idee von Chanukka: Man bringt Licht auf die Welt und Gutes ist auch Licht", so Bistritzki. Auch bei Familie Nagel bekommen die Töchter kleine Geschenke. Tamara: "Das ist eher so wie hier zu Ostern." Die Hauptgeschenke gibt es zu Weihnachten. "So wie es eben auch bei allen Freundinnen der Mädchen ist", sagt Papa Andreas. Chanukka bedeutet dagegen acht gemeinsame Familien-Abende, an denen mit einem Gebet die Kerzen entzündet werden, in Oel gebackene Leckereien auf dem Tisch stehen und gespielt wird. Der Schin, ein vierseitiger Kreisel, darf dabei nicht fehlen. Bei Familie Nagel gibt es Olivenholz-Kreisel, Glaskreisel und verschiedene Holzkreisel mit den vier hebräischen Schriftzeichen für Nicht, Gut, Halb oder Schlecht und gespielt wird um Schokomünzen in Goldpapier - passend zu den üblichen Geldgeschenken. "Licht und Freude verbindet die beiden Feste", sagt die 47-jährige Ayala. Beim musikalischen Chanukka-Abend in der Vicelin-Kirche hat sie gerade über 100 Besucher an ihrer Tradition teilhaben lassen - darunter Stadtpräsidentin Kathrin Oehme und Kulturpreisträgerin Christa Heise-Batt. Neugier und Interesse an anderen Religionen möchten die Nagels auch ihren Töchtern mitgeben.
Stadtpräsidentin Kathrin Oehme (2.v.l) und Pastorin Friederike Heinecke entzünden Chanukka-Kerzen. Foto Nowatzky
Und so freuen sich jetzt nach Chanukka alle auf Weihnachten- und das traditionelle Fest bei den Großeltern der Mädchen.
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 51 2015

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