Herausforderung Schule

Flüchtlingskinder im Schulalltag

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt An der Schultür hängt ein Schild: "Refugees welcome!" Die Grundschule Friedrichsgabe in der Pestalozzistraße hat sich schon auf die neue Situation eingestellt.
Angekommen: In der vierten Klasse sind drei Mädchen aus den Flüchtlingsunterkünften mit der Zeit ein Teil der Klassengemeinschaft geworden. Foto Nowatzky
Bereits jetzt sind mit 14 Kindern hier die meisten Flüchtlingskinder in den Schulalltag einer Norderstedter Schule integriert, täglich erwartet Schulleiterin Annette Korn mehr Kinder aus der aufgestockten Unterkunft an der Lawaetzstraße. Sie hat in ihrer vierten Klasse selbst drei Mädchen aus Flüchtlingsunterkünften, die aus aus Syrien und Afghanistan geflohenen Mädchen haben sich gut integriert. Sie sind schon länger in Deutschland, beherrschen die Sprache gut und haben Freundinnen in ihrer Klasse gefunden. Damit sind sie Vorbild für die Kleinen. Für die acht Erstklässler ist es erst einmal schwieriger. Bis sie genug Deutsch können, um dem Unterricht zumindest teilweise zu folgen, fahren sie jeden Morgen für eineinhalb Stunden ins "Deutsch als Zweitsprache DAZ-Zentrum". Danach sollen sie sich in den normalen Alltag der Erstklässler einfinden. "Die Kinder laufen erst einmal mit, bekommen von uns Material", erzählt Korn. "Wir müssen ganz viel improvisieren und spontan entscheiden", beschreibt sie die Situation. "Als die erste Welle kam, habe wir gleich gesagt: Unsere Schule nimmt die Kinder mit offenen Armen auf", so Korn. Die Schule hat Erfahrung mit vielen verschiedenen Kulturen. Die 224 Schüler kommen aus 19 verschiedenen Nationen. Sie weiß aber auch, dass sie die neuen Kinder nicht immer nach Lehrplan unterrichten kann. Sprachbarrieren aber auch traumatische Fluchterfahrungen fordern von den Lehrern besonderes Einfühlungsvermögen. Doch auf dem Schulhof ist davon wenig zu spüren. Die Kinder verständigen sich - auch ohne gemeinsame Worte. Schwieriger ist das Gespräch mit den Eltern. Während die Kinder schnell die neue Sprache lernen, warten die Eltern oft lange auf Sprachkurse. Für die Schule ist deshalb die gute Zusammenarbeit mit dem Willkommen Team wichtig. Neben der Unterstützung im Alltag bietet das Team auch Deutschkurse an und erleichtert so Eltern und Lehrern die Gespräche. Auch die enge Zusammenarbeit mit dem DAZ-Zentrum lobt Korn. Schon sehr bald werden mehr Kinder kommen, davon geht die Schulleiterin aus. Die Stadt plant, in der erweiterten Unterkunft an der Lawaetzstraße vor allem Familien unterzubringen.
Das Schild an der Tür heißt die neuen Schüler willkommen. Foto Nowatzky
Wann es soweit ist, weiß die Schule noch nicht, aber wenn die Kinder kommen, sollen sie so empfangen werden, wie die ersten 14: "Wir werden sie hier behüten."
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 50 2015

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