Frauenhaus eröffnet

Gewaltfreie Zone irgendwo in Norderstedt

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt "Es hat einfach gepasst - da war der Plan für ein neues Frauenhaus und da war kurz das Geld dafür da", schildert Schleswig-.Holsteins Sozialministerin Kristin Alheit, wie es zum Bau des neuen Frauenhauses in Norderstedt kam.
Frauenhausleiterin Anita Brüning (l.) und Sozialministerin Kristin Alheit mit der speziellen Birkennote, die jedes Zimmer ziert. Rechts Stadtpräsidentin Kathrin Oehme. Foto Nowatzky
35 Jahre nach der Eröffnung des ersten Frauenhauses in der Stadt wurde jetzt das neue, großzügig geschnittene Frauenhaus eröffnet. 700.00 Euro gab Schleswig-Holstein dazu, der insgesamt 1,8 Millionen teure Bau wurde außerdem mit Geldern der Stadt, des Kreises, des Kirchenkreises und der Stiftung Deutsches Hilfswerk- Deutsche Fernsehlotterie finanziert. Nach der Eröffnung durch Ministerin Alheit durften jetzt die derzeitigen Bewohnerinnen des alten und extrem beengten Frauenhauses umziehen und ihr neues Zuhause in Beschlag nehmen. Der Standort ist - wie schon beim alten Gebäude - geheim, um die vor häuslicher Gewalt geflohenen Frauen zu schützen. SechsFrauen und sieben Kinder wohnten noch in dem alten Haus aus den 1980er Jahren, eine davon lebt wegen der schwierigen Wohnungslage in Norderstedt bereits seit zwei Jahren im Frauenhaus. "Da flossen bei der ersten Besichtigung der neuen Räume schon ein bisschen die Tränen", erzählen Petra Gebhardt-Hansen und Lina Hoeft, Mitarbeiterinnen des von der Diakonie getragenen Frauenhauses. Und das wundert nicht, denn statt bisher mit einer Küche und zwei Bädern für bis zu 13 Frauen mit ihren Kindern hat das neue Haus zwei großzügige Küchen, elf Zimmer für längere Aufenthalte und ein Notfallzimmer. Immer zwei Zimmer teilen sich ein Bad, die Räume sind so geschnitten, dass die Mütter möglichst mit ihren Kindern ein Zimmer bewohnen können. "Die Zimmer sind so groß, dass Platz für ein zusätzliches Kinderbett ist und die Kleineren auch mal auf dem Fußboden spielen können", zeigt Lina Hoeft. Zum ersten Mal gibt es mit einem kleinen extra Appartement auch die Möglichkeit, 13 bis 18-jährige Söhne mit unterzubringen. Insgesamt können 25 Frauen und Kinder gleichzeitig hier Schutz vor Gewalt finden. Alle Zimmer sind praktisch aber individuell und gemütlich eingerichtet - auch Dank der Initiative des Unterstützerkreises unter Schirmfrau Anette Reinders. 100.000 Euro brachte deren Fundraiser Pastor Gunnar Urbach mit zahlreichen Benefizaktionen für die Innenausstattung zusammen. Das Norderstedter Frauenhaus ist eines von 16 in Schleswig-Holstein, mehr als 1.000 Frauen mit ihren Kindern suchten in diesem Jahr bisher schon den Schutz der Häuser auf. Bei der Unterbringung arbeitet Schleswig-Holstein mit dem Nachbarn Hamburg zusammen.
Die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses in einem gemütlichen Drei-Bett-Zimmer. Von links: Petra Gebhardt-Hansen, Kerstin Jordan-Bruns, Birgit Borstel, Anita Brüning, Kristina Klabes, Katja Heinsen und Lina Hoeft. Foto Nowatzky
Ministerin Alheit: "Dadurch haben wir auch insgesamt mehr Geld zur Verfügung. Hier sieht man, was wir erreichen können, wenn wir zusammenarbeiten."
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 49 2015

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