Ochsenzoll barrierefrei - zumindest fast

Fahrstuhl am Bahnhof in Betrieb

Von Stefanie Nowatzky
Langenhorn Endlich ist es soweit -schon 2008 sammelten Ute Naumann und Gesa Kohrmeyer Unterschriften für einen Fahrstuhl zu den U-Bahngleisen am Ochsenzoll. Jetzt ist er endlich da. Allerdings wird Ute Naumann den Fahrstuhl wohl nicht nutzen, denn für den Elektro-Rollstuhl der 52-jährigen ist der langersehnte Zugang zum Bahnsteig ungeeignet.
Festgefahren - Ute Naumann steckt mit ihrem E-Rollstuhl noch schräg im Fahrstuhl, während die Tür bereits schließt. Foto Nowatzky
Im Fahrstuhl muss der Rollstuhl einmal um 90 Grad gedreht werden um auf der anderen Ebene wieder herauszufahren. Dabei könnte Naumann steckenbleiben. Seit 2012 baut die Hamburger Hochbahn AG nach und nach die U-Bahnhöfe barrierefrei um, in diesem Jahr allein sechs Haltestellen. Dazu Bezirksamtsleiter Harald Rösler: "Barrierefreiheit ist ein Stück Lebensqualität, das wir möglichst überall verfügbar haben möchten." Zur Eröffnung am Ochsenzoll kam am Freitag auch Ute Naumann. Allerdings nicht um zu feiern, sondern um zu protestieren. Etwa 30 Demonstranten, darunter mehrere Bezirkspolitiker, machten sich vor Ort ein Bild mit zum Teil sehr unterschiedlichem Ergebnis. Während die einen den Fortschritt für viele Menschen begrüßten, nannte Rachid Messaoudi (Linke) den Einbau einen "Schildbürgerstreich". Die Haltestelle Ochsenzoll gibt es seit 1920, der Fahrstuhl wurde in ein Gebäude aus den 60ger Jahren eingebaut. Hochbahn-Sprecherin Christina Becker: "Wir bauen für die mobilitätseingeschränkten Fahrgäste - bei allem Verständnis müssen wir uns aber an den Gegebenheiten orientieren, die es manchmal verhindern, jedem Wunsch entsprechen zu können." Laut Hochbahn war neben Bezirksamt und Polizei auch die Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen LAG in die Planungen einbezogen. Auch der Standort des Fahrstuhls wurde gemeinsam festgelegt, sagt Christina Becker. "Dies ist der Haupteingang, hier gibt es auch eher einmal eine helfende Hand", so die Hochbahnsprecherin. Bauliche Voraussetzungen hätten den Einbau eines anderen Fahrstuhl-Modells mit Ein- und Ausfahrt in gleicher Richtung verhindert. Auf der Westseite des Bahnhofes hätte so ein Modell gepasst, dafür hätte die einzige Rolltreppe wegfallen müssen. Dafür, so betont Becker, habe man den Fahrstuhl größer als die Mindestanforderungen gebaut, auch die Türbreite sei mit einem Meter zehn Zentimeter breiter als vorgeschrieben. Für die meisten Rollstühle bedeutet der Fahrstuhl eine große Verbesserung der Haltestelle. Bereits kurz nach der Einweihung am Freitag fuhr der Lift regelmäßig Rollstühle, Mütter mit Kinderwagen oder Menschen mit Rolllatoren oder Fahrrädern herauf und herunter. Kleinere technische Probleme sollte will die Hochbahn noch beheben. So schließt die Tür momentan schneller, als Kinderwagen oder Rollstühle hinein oder heraus manövriert werden können. Kommentar Becker: "Standardmäßig schließt die Tür innerhalb fünf Sekunden. Wenn große Lücken zwischen zwei Fahrgästen bestehen, dann die Tür den Schließbefehl bereits bekommen." Zudem scheint der Mechanismus noch zu klemmen. Bei einem Vor-Ort-Termin des Wochenblatt öffnete die Tür sich nicht wie vorgesehen, eine davon sichtliche verwirrte ältere Nutzerin fuhr mitsamt dem Fahrstuhl wieder nach unten zurück.
Ohne Gesa Kohrmeyers Hilfe kommt Ute Naumann nicht aus dem Fahrstuhl, bevor die Tür schließt. Foto Nowatzky
Für E-Rolli-Fahrerin Ute Naumann hat Christina Becker einen Trost: "Der komplette Busbetrieb der Hochbahn ist barrierefrei. Die Linie 292 fährt zur Hauptverkehrszeit im Fünf-Minuten-Takt Richtung Langenhorn Markt und dort ist mit dem Durchlader ein Einstieg in die U1 möglich."
Erschienen: Wochenblatt Langenhorn, Ausgabe 48 2015

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