Energie Sparen - Klima schützen und Geld verdienen

Norderstedt gründet EnergieEffizienzGenossenschaft

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Deutschlands erste neugegründete Energie-Effizienz-Genossenschaft kommt aus Norderstedt. Ziel des vom Bundesumweltministerium geförderten Pilotprojektes: Mehr Energieeffizienz - also eingesetzte Energie besser zu nutzen. Professor Dr. Maximilian Gege: "Sinnvolle Einsparmaßnahmen werden von Haushalten und Unternehmen oft nicht umgesetzt, weil das Wissen und das Geld fehlt." Der Vorsitzende von B.A.U.M. e.V. entwickelte das Konzept für die Genossenschaft. Er sagt: "Wenn wir das Klimaproblem nicht lösen, reden wir in 30 Jahren von 100 Millionen Flüchtlingen. Dann machen sich die Menschen aus Bangladesch oder den Philippinen auf den Weg hierher." Künftig sollen Unternehmen, kommunale Einrichtungen, Vereine oder kirchliche Träger über die Norderstedter EnergieEffizienzGenossenschaft Einspar-Maßnahmen finanzieren können und dabei gleichzeitig auf das Fachwissen der Genossenschaft zugreifen können. Größte Einsparmöglichkeiten bietet der Einstieg in die LED-Technik bei der Beleuchtung. So hat auch die Verwaltung der Stadt Norderstedt schon einen Wunsch, den die Genossenschaft für sie umsetzen und finanzieren soll: Birgit Farnsteiner, Klimaschutz-Koordinatorin der Stadt: "Die Tiefgarage unter dem Rathaus soll Bewegungsgesteuerte LED-Leuchten bekommen." Kosten? "70.000 Euro", erklärt B-A.U.M-Projektleiter Herbert Köpnick. Die Stadt spart 25.000 Euro Stromkosten pro Jahr. Daraus zahlt sie über ca. vier Jahre an die Genossenschaft Investitionskosten und Zinsen für die Mitglieder. Ist die Gesamtsumme bezahlt, kann die Stadt die Einsparungen behalten.
Birgit Farnsteiner mit Herbert Köpnick (l.) und Professor Dr. Maximilian Gege, beide B.A.U.M. e.V., in der Tiefgarage unterm Rathaus. Hier sollen neue Lampen pro Jahr 25.000 Euro einsparen. Foto Nowatzky
"Wir wollen über die Genossenschaft bestimmte Projekte finanzieren. So belasten wir damit nicht unseren Haushalt", so Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote. Denn: Diese 70.000 Euro zahlen nicht in den Haushalt, sind keine Kreditkosten wie ein Bankdarlehen. Jeder Norderstedter oder Ellerauer kann für 100 Euro Mitglied der Genossenschaft werden, so viel kostet ein Geschäftsanteil. Jedes Mitglied kann der Genossenschaft Darlehen geben, um die Projekte zu finanzieren. Das Darlehen wird immer für mindestens fünf Jahre festgelegt und jährlich mit vier Prozent verzinst. Mindestbetrag: 500 Euro. Fazit: Es gibt Klimaschutz, der ohne die Genossenschaft nicht finanziert wor den wäre, zweitens belastet das Geld dafür nicht den Kreditrahmen der Auftraggeber und drittens gibt es vergleichsweise hohe Zinsen für die Geldgeber, also die Mitgleider. Die Stadt Norderstedt ist schon dabei: Der Hauptausschuss beschloss einstimmig, einen Geschäftsanteil für 100 Euro zu kaufen, sobald die Genossenschaft in etwa vier Wochen geschäftsfähig ist. Als Gründungsmitglied ist die Stadt ebenso wie die Partnergemeinde Ellerau im Vorstand und Aufsichtsrat der neuen Genossenschaft vertreten, dazu Wirtschaft und Bürgerschaft. "Das ist eine Initiative von Menschen aus der Region für Menschen in der Region", sagt Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote. In der Satzung der Genossenschaft steht ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2040 könnte Norderstedt Klimaneutral werden. Geht alles nach Plan, könnten in einem Jahr schon zwischen 500 und 1000 Genossenschaftsmitglieder Energie-Effizienzprojekte in der Stadt finanzieren. 20 bis 30 Projekte sollten bis dahin zur Auswahl stehen.
Informationen über mögliche Projekte und über die Mitgliedschaft bei Rainer Kant, Telefon 040 49071114 rainer.kant@baumev.de.
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 46 2015

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