Liebevolles Zuhause auf Zeit

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Die vier Familienmitglieder schauen sich an, dann platzt Peter (alle Namen von der Redaktion geändert) heraus: "Die Trennung ist das schwierigste." Sieben Geschwister auf Zeit hat der elfjährige schon gehabt. Sieben Mal haben Sandra und Kai zusätzlich zu ihren eigenen Kindern schon Pflegekinder in Kurzzeitpflege aufgenommen. Zwischen einem Monat und einem knappen halben Jahr blieben die Gastkinder bei ihnen, bis sich die Situation in deren eigener Familie geklärt hatte und eine Rückkehr möglich war. "Es ist ein gutes Gefühl, dabei zu helfen, dass ein Kind wieder gut in seine Familie zurück kann", sagt Sandra. Zwischen einem Monat und viereinhalb Jahren waren die kleinen Gäste alt. "Vorschulalter, das ist unsere Grenze. Ein Pflegekind muss altersmäßig in unsere Familie passen", erklärt Sandra. Alle vier gemeinsam haben sich entschieden, Kindern in Notsituationen ein Zuhause auf Zeit zu bieten. "Das muss auch so sein", sagt Jugendamtsmitarbeiterin Jutta Heptner. "Nur wenn alle ja sagen, kann es klappen." Tochter Melina und Sohn Peter freuen sich jedes Mal, wenn das Jugendamt fragt, ob die Familie ein Kind aufnehmen kann. Dann wird Familienrat gehalten und gemeinsam besprochen, ob alle dafür sind. "Es ist immer toll", meint die 14-jährige Melina. "Vor allem wenn die noch klein sind." Wie eigene kleine Geschwister empfindet der Teenager die Gäste, obwohl es Einschränkungen gibt. "Wir dürfen zum Beispiel nicht ohne unsere Eltern mit ihnen raus." Manchmal haben sich die leiblichen Eltern nicht freiwillig von ihrem Kind getrennt, der Wohnort und Name der Pflegefamilie bleibt daher anonym. Die Idee, sich als Pflegefamilie zu bewerben, kam vor fünf Jahren nach dem Beispiel einer bekannten Pflegefamilie. Vater Kai sieht das ganz pragmatisch: "Ich finde es gut, wenn diese Kinder nicht ins Heim müssen." Wenn er vom Schichtdienst nach Hause kommt, ist der Pflegevater mit seinen Witzen bei den kleinen Gästen meist im Mittelpunkt. Im Alltag machen die Kleinen einfach alles mit, was in der Familie gerade anliegt. Vor allem Mama Sandra ist gefragt, die Kinder in den Familienalltag zu integrieren. "Aber meist klappt das ganz schnell und sie kennen die Regeln bei uns." Dass eigene Kinder im Haus sind, macht den Start einfacher. Denn zu den Pflegegeschwistern ist immer schnell Kontakt da. Auch, weil das Gastkind meist bei Peter im Zimmer wohnt. Der Abschied fällt auch Mutter Sandra jedes Mal schwer. Doch sie sagt: "Ich habe mich darauf eingestellt, es ist, als wenn die Kinder bei uns Urlaub machen."

Voraussetzungen
Voraussetzungen für die Aufnahme eines Pflegekindes ist die Anerkennung durch das Jugendamt. Dazu gehört neben der Zustimmung aller Familienmitglieder, dass die finanzielle Situation gesichert ist, die Familie also nicht auf das Pflegegeld als Einkommen angewiesen ist. Von allen Familienmitgliedern machen sich die Jugendamtsmitarbeiter einen persönlichen Eindruck. Ein ärztliches Attest sowie ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis werden benötigt. Ein Pflegekind benötigt kein eigenes Zimmer, eine Rückzugsmöglichkeit muss es aber in der Wohnung geben. Dazu sollte die Berufstätigkeit der Eltern zeitlich passen. Informationen unter 53595401.

Erscheint: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 23 2014