Galaxie-Forschung aus Norderstedt

Radioteleskop am Stadtrand eröffnet

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Die etwa zwei Meter hohen Antennen auf dem Feld am Harthagen stehen unspektakulär hinter einem Holzzaun, das kurzgemähte Gras ist umgeben von Sonnenblumen. Eine große Fläche ist mit flachen Kästen unter schwarzer Kunststofffolie bedeckt, ein einsamer Blechcontainer steht am Rand.
Norderstedts Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote (M.) mit den LOFAR-Professoren Dominik Schwarz (l.) und Marcus Brüggen. Foto Nowatzky
Unscheinbar für die Spaziergänger in der Feldmark von Norderstedt untersuchen Forscher der Universitäten Hamburg und Bielefeld von hier aus die Geheimnisse des Alls. Die LOFAR-Station - Lofar steht für Low Frequency Array - ist Teil eines europaweiten Radioteleskopes von dem Professor Marcus Brüggen von der Sternwarte Hamburg sich spektakuläre Bilder aus dem Weltall erhofft. Bereits seit Februar läuft der Betrieb, Störungen gibt es hier am Rand von Norderstedt kaum. "Nur die Weidezäune sind manchmal ein Problem", so Brüggen. Dagegen stören die Flugzeuge, das Feld liegt direkt in der Einflugschneise, nicht. Ihre magnetische Strahlung kann von den Computern herausgefiltert werden. Vor allem soll das Projekt, zu dem 50 weitere Antennenfelder in Europa zählen, Informationen über die Anfänge unserer Galaxie kurz nach dem Urknall liefern. Die knapp 200 Antennen empfangen Radiowellen, 400 Kabel leiten diese an die Rechner im Container. Von dort werden pro Sekunde 1 Terrabite Daten zunächst zur Hamburger DESY und von dort nach Jühlich zur Weiterverarbeitung übertragen. "Das sind 100.000 mal mehr Daten, als wir mit unserem Netz für 1 Million Kunden an einem Tag übertragen", macht Theo Weirich, Geschäftsführer des Norderstedter Kommunikationsanbieters wilhelm.tel, deutlich. Wilhem.tel sorgt mit seinen Glasfaserleitungen für den Datentransport bis nach Hamburg. "Wir haben auch viel an dem Projekt gelernt", sagt Weirich und freut sich gemeinsam mit Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote, dass Norderstedt mit dem neuen Radioteleskop am Harthagen als Wissenschaftsstandort zählt. Grote: "Es macht mich schon stolz, so etwas in der Stadt zu haben." Das Image eines Standortes werde auch für Firmenansiedlungen immer wichtiger, weiß er aus den vergangenen Jahren.
96 dieser DiPole stehen auf dem Feld am Harthagen und empfangen die Radiowellen. Foto Nowatzky
Und mit dem internationalen Projekt LOFAR "wird Norderstedt berühmt", wie Professor Dr. Heino Falcke, als deutscher Radioastronom leitender Wissenschaftler des Projektes in den Niederlanden, nur halb im Scherz dem Bürgermeister versicherte. Er arbeitet zurzeit bereits an den nächsten LOFAR-Möglichkeiten: Gemeinsam mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA will er sein Projekt auch auf den Mond ausdehnen.
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 38 2015

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