Fliegendes Denkmal in Silbergrau

JU52 als bewegliches Denkmal anerkannt

Von Stefanie Nowatzky
Fuhlsbüttel Von Sonnabend an wird ein weiß-blauer Aufkleber die Außenhaut der "Tante Ju", wie die JU52 der Deutschen Lufthansa Berlin Stiftung liebevoll heißt, zieren. Die silberner Wellblech Maschine von 1936 ist damit offiziell als schützenswertes Denkmal in die Liste des Hamburger Amtes für Denkmalschutz aufgenommen. Damit steht sie in einer Reihe mit dem Motorschiff Cap San Diego, die im Hamburger Hafen seit Jahren Besucher anlockt.
Bernhard Conrad, Vorsitzender der DLBS, freut sich über die Denkmal-Auszeichnung für die JU52. Foto Nowatzky
Bürgermeister Olaf Scholz wird als oberster Dienstherr der Behörde die Ehrung vornehmen und die traditionelle Plakette übergeben. Statt eines Blechschildes, wie für denkmalgeschützte Häuser, musste hier allerdings eine andere Lösung her: Ein speziell für die Luftfahrt zugelassener Aufkleber wird direkt auf das Wellblech der "alten Tante" aufgebracht. Helen Rüge, Sprecherin der Kulturbehörde, begründet die Entscheidung so: "Die 1936 gebaute ‚Ju 52‘ ist ein herausragendes Zeugnis der deutschen Luftfahrtgeschichte, das die bedeutende Phase des deutschen Flugzeugbaus der 1930er Jahre veranschaulicht und sogar noch erlebbar macht."
Als erster flog Dieter Bonsmann die Maschine, nachdem sie 1984 in Hamburg ihren Heimatflughafen fand. Foto Nowatzky
Im Februar hatte die Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung DLBS als Eigentümer der JU den Antrag gestellt, das Flugzeug unter Denkmalschutz zu stellen. Die JU52 ist nur noch eine von acht flugfähigen Maschinen dieses Typs, dass als Passagiermaschine einst die Stütze von Deutschlands größter Fluggesellschaft bildete. Auch die Piloten schätzen die ganz besondere Erfahrung, wie Heinz-Dieter Bonsmann, Flugkapitän a.D., erklärt: "Das ist direktes, pures Fliegen." Er flog die JU als erster Pilot in Hamburg, bis 2007 regelmäßig. Die besonders flexible Einsatzmöglichkeit der Maschine war auch ein Grund für die schnelle Entscheidung des Denkmalamtes: "Auf Grund ihrer besonderen Konstruktion ist sie sowohl als Passagier- als auch als Transportflugzeug geeignet und fähig, auch in unwegsamem Gelände und auf kleinem Raum zu starten oder zu landen", so Helen Rügen. Die JU ist das erstes Verkehrsflugzeug unter Denkmalschutz. "Für die Deutsche Lufthansa und für die Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung, ist es eine große Ehre und Verpflichtung zugleich, dass unsere JU52 in die Liste der beweglichen Denkmäler aufgenommen wird, freut sich Bernhard Conrad, Vorstandsvorsitzender der DLBS. Er hofft, dass die Maschine auch noch zu ihrem 100. Geburtstag jährlich 10.000 Passagiere bei Rundflügen begeistern kann. Dazu investiert die Stiftung rund 4000 Arbeitsstunden jährlich in den Oldtimer, viele davon ehrenamtlich.
Nächstes Jahr wird sie 80, in diesem Jahr stellte Hamburg die JU52 unter Denkmalschutz.
Seit 1984 hat die Junkers Ju 52 D-AQUI, so der volle Name der Maschine, ihren Heimatflughafen in Hamburg. Hier wird sie von 15 Mitarbeitern der Stiftung sowie rund 35 Ehrenamtlichen liebevoll betreut.
Erschienen: Wochenblatt Langenhorn/Norderstedt, Ausgabe 34 2015

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