Lösung für Missions-Mieter in Sicht

Moderatere Mieterhöhung nach Modernisierung angeboten

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt „Das war ein Schock, aber jetzt werden wir es wohl schaffen“, Mieterin Tina Bomme ist erleichtert. Im Streit um die Mieterhöhung in den Wohnungen des Landesverein für Innere Mission ist eine Lösung in Sicht. 2011 verkaufte die Stadt die 1957 für Rentner der Gemeinde Harksheide erbaute Siedlung an der Greifswalder Kehre 15, 17 und 19 an den kirchlichen Träger. Dann waren die 24 Wohnungen modernisiert und instandgesetzt worden. Auf Dauer will die Innere Mission hier ein Inklusionsprojekt verwirklichen. Ein Teil der Wohnungen soll für Patienten des Trägers Psychosozialer Zentren vorgehalten werden. Nachdem die Baumaßnahmen abgeschlossen waren, wollte der Eigentümer jetzt von den Mietern 12,03 Euro Kaltmiete statt bisher zum Teil nur 3,69 Euro. Denn laut §559 des BGB dürfen Modernisierungsmaßahmen auf die Mieten umgelegt werden, maximal elf Prozent der Summe auf die Jahresmieten. Das macht bei 1.013.960 Euro Kosten 111.535 Euro im Jahr oder eben 12,03 Euro pro Quadratmeter. Regina Rocca, Sprecherin der Inneren Mission, sagt: „Wir haben die elf Prozent nicht auf die bisherigen Mieten aufgeschlagen, sonst wären es sogar mehr als 15 Euro gewesen.“ Die Steigerung um über 300 Prozent hätten die meisten Mieter jedoch nicht tragen können. Durch die Steigerung wären die Wohnungen auch zu teuer für die Mieter mit Grundsicherung geworden. Bis zu 359 Euro dürfen Wohnungen bis 50 Quadratmeter inklusive Nebenkoste demnach kosten. "Ich dachte, jetzt müssen wir raus", befürchtete Tina Bomme. Nach massiven Protesten des Mietervereins und auch des Sozialausschusses zeichnet sich jetzt eine Lösung ab. Claus von See, Geschäftsführer der Inneren Mission, traf sich mit Mietern und Mieterverein und bot eine Kaltmiete von 10 €/Quadratmeter an. „Das entspricht dem Mietenspiegel“, so Rocco. Auch Norderstedts Sozialdezernentin Anette Reinders ist zufrieden mit der Entwicklung „So sind die Wohnungen innerhalb der Mietobergrenzen. Das war für mich ein wichtiger Punkt.“ Auch im Sozialausschuss, dessen Vorsitzender Thomas Jäger sich vorher noch entsetzt über das Vorgehen geäußert hatte, überzeugte von See. „Wichtig ist, dass die Mieter in ihren Wohnungen bleiben können“, darüber ist Jäger erleichtert. Das Angebot des Eigentümers wird noch vom Mieterverein geprüft. „Wir werden aber wohl unseren Mitgliedern empfehlen, es anzunehmen“, sagt Susanne Arbesmann vom Mieterverein. Tina Bomme ist glücklich über die Wendung. „Wir werden unseren Gürtel enger schnallen müssen, aber wenn die Stadt auch einverstanden ist, ist das für uns machbar“, sagt die 37-jährige, die sich freut, nach 13 Jahren mit ihrem Mann in der Siedlung bleiben zu können. So ganz traut sie der Vereinbarung aber noch nicht. „Hoffentlich bleibt es auch bei den 10 Euro.“
Erscheint: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 22 2014