Sven und Tobias schmieden Pläne

„Plan haben“ – Projekt sucht neue Zeitpaten

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Ein bis zwei Stunden in der Woche gehören Tobias. Und zwar ganz und gar. Dann denkt Sven Humburg nicht an seinen Beruf, nicht an Termine oder an den Garten. Dann ist der 35-jährige Lehrer am Berufsbildungszentrum „Zeitpate“ im Projekt Plan haben und fragt, was Tobias machen möchte. Schon seit 13 Jahren läuft das Projekt des Kriminalpräventiven Rates in Norderstedt. Inzwischen haben viele andere Gemeinden das Konzept übernommen. Die Idee ist einfach: Kinder, die auffällig werden, bekommen bei Plan haben einen erwachsenen Paten, der ihnen – und das wird fest vereinbart – einmal in der Woche Zeit schenkt. Zeit für Aktivitäten, Zeit zum Zuhören oder was auch immer gebraucht wird, um das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in eigene Talente zu stärken. Jugendlicher und Pate schließen einen Vertrag für ein Jahr, dann können beide gemeinsam überlegen, ob sie weitermachen wollen. Tobias und Svens Patenschaft läuft seit fast zwei Jahren. Gerade ist der Schüler 14 geworden und immer noch treffen sie sich jede Woche im Stadtpark, wenn das Wetter es zulässt. Zum Fußball oder Ballspiel an der Tischtennisplatte. Auch Wasserski sind die beiden schon gefahren oder haben die neue Minigolf-Anlage ausprobiert. Wenn es regnet, geht es ins Jugendfreizeitheim Glockenheide, zum Kickern oder Billard spielen. „Aktivität ist mir wichtig“, erzählt Sven Humburg. Und Tobias auch. „Es ist cool, jemanden zu haben, mit dem ich kicken kann, oder so“, meint der Schüler. Sonst verbringt der wortkarge Junge seine Freizeit vor allem am Computer. Spaß haben beide an der gemeinsamen Zeit, wobei Sven Humburg als Zeitgeber auch für sich klare Vorteile sieht: „Natürlich ist das ein weiterer Termin in meinem Kalender. Aber es ist auch toll, denn ich denke dann an nichts anderes.“
Pünktlich einmal in der Woche treffen sich Tobias (l.) und Sven Humburg. Und Tobias hat gelernt, dass der Termin fest ist und er absagen muss, wenn er mal nicht kann. Foto Nowatzky
Zurzeit gibt es 12 solcher Patenschaften, finanziert durch Spenden. Die Paten sollen keinen finanziellen Aufwand haben, erklärt Bernd Bialojan vom Projektteam. „Etwa 5.000 Euro brauchen wir im Jahr. Für Eintritts- oder Fahrgelder und für die professionelle Beratung auf Honorarbasis, die wir anbieten“, erklärt er. Gerade sucht er gemeinsam mit seinem Projektkollegen Wolfgang Banse wieder neue Paten, neue „Zeitschenker“: „Wenn ein Jugendlicher sich bei uns meldet, brauchen wir einen Pool an Paten, damit wir auch den passenden aussuchen können.“ Denn die Aktivitäten mit den Kindern und Jugendlichen zwischen acht und 16 Jahren sind unterschiedlich. Ganz nach Bedarf: Spielen, Sport, Lernen, U-Bahnfahren – es zählt, was das Patenkind machen möchte. Doch es muss zu beiden passen, meint Bialoja: „Wenn ein Pate keinen Spaß daran hat, kann es nichts werden.“ Deshalb sucht er Menschen, die Spaß am Miteinander mit Jugendlichen haben. Unter den Nummern 0405231687 (Banse) oder 040-5245458 oder auch per mail an w.banse-kpr@wtnet.de oder bialojan@wtnet.de. Sven Humburg hat jedenfalls viel Spaß an seinem Ehrenamt. So viel, dass er seit neustem sogar in der Lenkungsgruppe mit aktiv ist. Und das ist gut so, wie Bernd Bialojan findet. Denn Humburg ist mit 35 Jahren und als Lehrer am BBZ auch außerhalb seiner Patenschaft nah an Jugendlichen dran. Und dass fließt dann in das Projekt mit ein. Weitere Infos unter plan-haben-norderstedt.de
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 33 2015