Ausbruch statt Einbruch

Projekt gegen Jugendkriminalität gestartet

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Für Norderstedts Jugendliche wird es ernst: Für zwei Tage werden bis zu sechs von ihnen im Juni ins Gefängnis gehen - freiwillig. "Ausbruch" heißt das neue Präventionsprogramm der Stadt Norderstedt gemeinsam mit dem Verein Gefangene helfen Jugendlichen Schleswig-Holstein. In der JVA Neumünster geben Gefangene Einblick ins Knastleben, erzählen, wie es ist, in einer zwei mal drei Meter kleinen Zelle zu leben, welche Nöte sie haben und welche Befürchtungen. Zielgruppe sind männliche Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren. Jungen, die am Rande einer kriminellen Laufbahn stehen. Etwa zehn dieser Schwellentäter sind bereits im Visier der Polizei, wie Jan Frahm von der Ermittlungsgruppe Jugendliche der Kriminalpolizei erzählt. Melanie Stölting, Jugendzentrum Atrium, sieht viele Jugendliche, lange bevor sie bei der Polizei bekannt werden. "Die Dunkelziffer ist sehr viel höher", meint die Sozialpädagogin. Gemeinsam mit Anke Fromme vom Allgemeinen Sozialen Dienst ASD hat sie für den ersten Durchgang im Juni bereits vier junge Männer im Blick, die genau in die Zielgruppe passen. "Hehlerei, Handyraub, Dealerei oder Körperverletzung", zählt sie die Taten auf. Dass das der direkte Weg ins Gefängnis ist, sei vielen Jugendlichen nicht bewusst. "Wir wollen wachrütteln", erklärt Mitinitiator Wolfgang Banse vom Kriminalpräventiver Rat KPR. Dazu stellte die Gruppe das Projekt jetzt in Norderstedt vor. Das Prinzip gibt es in Hamburg gemeinsam mit Santa Fu bereits seit 20 Jahren, in Neumünster begleitet Klaus Kuhfuß seit vier Jahren Jugendliche in den Knast. 400 aus ganz Schleswig-Holstein waren schon da. Das Programm besteht aus zwei Tagen, ein Tag mit Vollzugsbeamten, ein Tag in der Diskussion mit langfristigen Gefangenen. Norderstedt will mit dem Projekt "Ausbruch" noch einen Schritt mehr machen. Je ein Tag Vor- und Nachbereitung kommt für die Jugendlichen dazu. "Nur wachrütteln reicht nicht", hat Melanie Stölting festgestellt. "Direkt nach einem Santa Fu Besuch waren unsere Jugendlichen sehr betroffen - und zwei Tage später fuhren sie wieder ohne Führerschein hier vorbei", begründet sie. Am ersten Tag soll der Ist-Zustand festgestellt werden, nach dem JVA-Besuch dann gemeinsam geklärt werden, wie mögliche Perspektiven aussehen können. "Wir wollen nichts überstülpen, sondern uns am Willen des Jugendlichen orientieren", ist der Sozialpädagogin wichtig. Ein möglicher Ausbruchs-Weg aus dem alten Verhalten: Die Teilnahme am Projekt "mach was", einem Patenprojekt des KPR.
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 20 2014