Silbernes Jubiläum beim Seniorenbeirat

Seniorenvertretung wird 25

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Fast 23.000 Senioren in Norderstedts fünftgrößter Stadt sind gut vertreten - seit 25 Jahren gibt es den Seniorenbeirat. Alle vier Jahre bekommen Menschen ab 60 Jahren Post von der Stadt und wählen per Briefwahl ihre 21-köpfigeVertretung. Angelika Kahlert ist 2013 zum zweiten Mal Vorsitzende des Rates geworden und sagt stolz: "Wir sind das Sprachrohr der Senioren." Der 1990 gewählte erste Vorsitzende Horst Vanselow wurde 1996 Vorsitzender des Landesseniorenrates und 1998 sogar Vorsitzender der Bundesseniorenvertretung. Inzwischen sitzen die Senioren in allen Ausschüssen der Stadtvertretung, haben Rederecht und dürfen Anträge stellen. 15 waren es allein im vergangenen Jahr. Kahlert: "Früher durften es nur "seniorenrelevante Themen" sein. Aber heute sprechen wir auch bei anderen Dingen mit." Immerhin werden fast ein Drittel der Norderstedter vom Beirat vertreten, deshalb ist deren Meinung auch bei anderen politischen Themen, wie Kahlert und ihre Mitstreiter finden. Jürgen Peters ist Vorsitzender des Arbeitskreises Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr. Ob längere Ampelphasen, Absenkung von Bürgersteigen oder bessere Einstiege in den Bus, es gibt viele Arbeitsfelder für seinen Arbeitskreis. Er erzählt: "Viele Menschen wenden sich an uns und teilen uns ihre Sorgen mit." Denn oft trauten sich gerade ältere Menschen nicht, selbst in Sitzungen im Rathaus zu sprechen. "Und wenn sie hier wegen eines Problems kommen, erzählen sie uns oft dann ihre ganzen Nöte", sagt Ingrid Kowski, ebenfalls im Vorstand des Beirates. Manche Menschen hätten sonst wenig Ansprechpartner. "Gut dass wir das leisten können", findet sie. In den 25 Jahren Seniorenbeirat sind viele kleine aber auch größere Projekte bearbeitet worden. Sponsoren für Parkbänke wurden gesucht und gefunden, die Altenpflegeschule in Norderstedt entstand auf Antrag der Senioren und vor allem retteten die engagierten Senioren mit Brandbriefen die Verbraucherzentrale, als das Land den Geldhahn zudrehte. "Deshalb ist auch viel Kooperation zwischen uns entstanden", erzählt Angelika Kahlert.
Aktiv für Norderstedter Senioren: Vorsitzende Angelika Kahlert, Jürgen Peters und Ingrid Kowski. Foto Nowatzky
Viele Vorträge organisieren die Senioren gemeinsam mit der Verbraucherzentrale. Beratung und Information - nicht nur ein Thema in den Sprechstunden des Beirates jeden Dienstag von 10 bis 12 Uhr und Donnerstag von 14.30 bis 16.30 Uhr. So haben die Senioren - nach dem Beispiel anderer Städte - ganz neu eine Notfallmappe erstellt. Sie enthält neben den wichtigsten Adressen in Norderstedt Platz für eigene Daten und Informationen. Wichtige Rufnummern, Krankendaten, Versicherungen oder Finanzen - alles kann hier eingetragen werden. Verteilt wird die Mappe ab dem Jubiläum am 21. Juni. Neben der gedruckten Version gibt es dann unter www.seniorenbeirat-norderstedt.de auch eine Downloadversion, mit der alle wichtigen Daten zusätzlich auf dem Computer gespeichert werden können. Ein Dauerthema der Senioren ist die Umgestaltung des Rathausplatzes. Das Kopfsteinpflaster mit vielen Rillen ist für Rollatoren, aber auch Kinderwagen und Absätze "ein schwieriges Pflaster", wie Peters findet, der dieses Thema schon von seinem Vorgänger übernahm. Er verspricht: "Da bleiben wir weiter dran." Von Beginn an engagieren sich die Beiräte für sozialen Wohnungsbau in der Stadt, sprechen mit Verwaltung, Politik und Wohnungsbauunternehmen. "Auch betreutes Wohnen war immer ein Thema", sagt Kahlert. Gerade erst beim Richtfest der neuen Sozialwohnungen an der Horst-Embacher-Allee hat sie Plambeck-Geschäftsführer Volker Heins gebeten, auch auf diesem Feld aktiv zu werden. "Das ist heute unser wichtigstes Thema: Bezahlbarer Wohnraum und betreut bis zur 3. Pflegestufe", sagt die rüstige Seniorin. Gemeinsam mit Ingrid Kowski und Jürgen Peters hat sie auch schon eine Idee, wo so ein Modell entstehen könnte: Auf dem umstrittenen Grundstück an der Ulzburger Straße. "Wohnungen, ein Hospiz und betreutes Wohnen in drei Stufen an einem Platz", so stellen sich die drei die Zukunft vor. Gefeiert wird am 21. Juni im Festsaal am Falkenberg mit einem bunten Programm von 11 bis 15 Uhr.
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 25 2015