Verstecktes Kunstwerk

Spurensuche in Fuhlsbüttel

Von Stefanie Nowatzky
Fuhlsbüttel Am liebsten würde Wolfgang von der Burg die beiden roten Granitstehlen einfach nehmen und umsetzen. "Schade, dass das Kunstwerk hier so versteckt steht", fand der 73-jährige schon seit einiger Zeit. Die 6,60 Meter hohen Säulen stehen seit 1998 hier zwischen den Wohnhäusern Nummer 233 und 235, direkt am Zaun der Justizvollzugsanstalt. Er vermutete einen Bezug zur Gedenkstätte Konzentrationslager Fuhlsbüttel im ehemaligen Torhäuschen. Die Sache ließ ihm keine Ruhe und so wandte er sich an das Wochenblatt Langenhorn. Doch auf Anfrage kannten weder die Gedenkstätte Neuengamme, unter deren Regie auch Fuhlsbüttel steht, das vermeintliche Mahnmal, noch die Willi-Bredel-Gesellschaft. Die Gesellschaft versteht sich als Geschichtswerkstatt, die auch Forschungsprojekte und Veröffentlichungen zur Hamburger Arbeiterbewegung und zur Geschichte der Stadtteile Fuhlsbüttel, Ohlsdorf, Langenhorn und Alsterdorf unterstützt. Hans-Kai Möller machte sich auf den Weg, doch auch er stieß auf keine Erklärung. "Das ist schon merkwürdig, das weder Neuengamme noch wir davon gehört haben", meint er. So würde es aussehen, wenn der 'Dialog' an der Ecke Hasenberg/Maienweg stünde, wie sich Wolfgang von der Burg gewünscht hätte. Fotomontage: Nowatzky Aufschluss gibt schließlich die Kulturbehörde. Die beiden roten Granitstehlen sind ein Werk Jörg Plickats. Der in Hamburg geborene Künstler erarbeitete die Skulptur "Dialog" für die Karl Danger Wohnungsbaugesellschaft und die Wohnungsbaugenossenschaft von 1902 als Kunst am Bau. Dialog steht für das "Wohnen in Nachbarschaft mit der Justizvollzugsanstalt", erklärt der Künstler, dessen Werke neben zahlreichen Standorten in Hamburg und Schleswig-Holstein unter anderem auch in Italien. Mexiko oder China stehen. "Dialog steht deshalb auf der Grenze beider Wohnungsgesellschaften und an der Grenze zur JVA", sagt Christian Danger. Sein Vater hatte damals den ihm bekannten Künstler beauftragt. Versteckt sollte das Werke dabei gar nicht sein, eben nur an dieser Stelle den Dialog mit der JVA und auch um den zunächst umstrittenen Stil der Neubauten anstelle der ehemaligen Wärterhäuser dokumentieren. Eine Umsetzung des Werkes kommt allerdings nicht in Frage. "Dialog ist damals mit einem 90-Tonnen-Kran aufgestellt worden. Zusammen mit dem Fundament ist das nicht mehr mobil", so Danger. Aber auf Anregung des Wochenblattes denken die Stifter jetzt über eine erklärende Plakette am Kunstwerk nach.
Erscheint: Wochenblatt Langenhorn, Ausgabe 20 2014