Einmahlig am Ende

Aus für Kirchen-Café

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Nach 11 Jahren schließt das Café Einmahlig im Kirchenzentrum Falkenberg zum 30. Juni 2015. Als Treffpunkt konzipierte der frühere Kirchenpastor Gunnar Urbach das Café in den sonnigen Räumen des Kirchenzentrums, gleichzeitig als neue Chance für Mitarbeiter, den Widereinstieg in den Arbeitsmarkt zu finden. Jetzt, nur ein Jahr nach dem 10-jährigen Jubiläum kommt das Aus für das Café, in dem an allen Wochentagen ein frischgekochtes Menü mit Salat und Nachtisch für 6,90 Euro im Angebot war. Viele Freundschaften wurden hier geschlossen, ganze Freundeskreise fanden sich, wie Karin Wenckstern als langjährige Besucherin erzählt. "Nach kurzer Zeit waren wir immer zu 7. am gemeinsamen Tisch - aber jetzt bin ich alleine übrig", sagt die 75-jährige etwas traurig. Zwischen zehn und 30 Essen pro Tag gingen über den kleinen Tresen, für ein wirtschaftliches Arbeiten hätten es mindestens 40 Essen sein müssen. Doch zum einen kamen nicht so viele Gäste, zum anderen war die Küche dafür eigentlich viel zu klein. "Eine Quadratur des Kreises", meint Annelie Urbach, seit dem ersten Tag in der Küche und im Service des Cafés. Schön sei die selbständige Arbeit hier gewesen, meint sie. Doch die zeitliche Belastung oft auch über der Grenze des Zumutbaren hinaus. Vor dreieinhalb Jahren übernahm das Diakonische Werk als Träger das Café, Kirchengemeinde und Diakonie investierten jährlich insgesamt 16.000 Euro. Den Rest sollte das Café selbst erwirtschaften. Mit den tägliche Essen und viele Veranstaltungen fehlten trotzdem am Ende des Jahres rund 10.000 Euro.
Regina und Annelie, Mitarbeiterinnen sei 5 Monaten und seit über 11 Jahren, schließen am 30. Juni die Tür zum Café Einmahlig zum letzten Mal. Foto Nowatzky
Und dass, obwohl die Mitarbeiter einen großen Teil der Arbeit ehrenamtlich machten, wie Tabea Müller, seit der Übernahme durch die Diakonie Leiterin des Einmahlig, sagt. Viele Veranstaltungen bot auch der Verein Treffpunkt Falkenberg gemeinsam mit dem Café an, unterstützte das Café mit den Einnahmen. Wo es mit kulturellen Veranstaltungen, dem Kaffee-Klatsch Auch Pastorin Maren von der Heyde, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes Hamburg-West/Südholstein sagt zur Schließung: "Es waren nicht die wirtschaftlichen Gründe allein. Wir haben gemerkt, dass das Restaurant mehr ehrenamtliche Ressourcen verbraucht als vertretbar." Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation hatte die Diakonie das Café länger betrieben, als ursprünglich vereinbart, als Begegnungsort sei es "einfach Klasse" wie von der Heyde sagt. Der Druck auf die Mitarbeiter sei einfach zu groß geworden. Deshalb habe man sich nach Gesprächen mit Gemeinde und Mitarbeitern schweren Herzens zur Schließung entschlossen. Für alle festen Mitarbeiter haben sich Stellen in umliegenden Kindertagesstätten des Kirchenkreises gefunden.
Karin Wenckstern hat im Café Einmahlig viele Freunde gefunden. "Jetzt koch ich eben wieder selbst", sagt die 75-jährige. Foto Nowatzky
Auch Annelie Urbach freut sich auf die Arbeit mit den Kindern: "Ich war schon dort und es war sehr schön." Was mit den Räumen, die mit Kamin und Südfenstern zu den schönsten des Kirchenzentrums zählen, passiert, steht noch nicht fest. Pastor Christian Wollmann will erst einmal Ruhe einkehren lassen und dann gemeinsam mit Gemeindemitgliedern Ideen entwickeln. "Der Raum soll auch weiter ein Ort der Begegnung sein", verspricht er. "Ein warmes Mittagessen ist dafür ja nicht unbedingt nötig."
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 25 2015