Genossenschaft in der Warteschleife

Frederikshof geht mit 1/2 Jahr Verspätung an den Start

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Noch steht auf dem Bauplatz an der Lawaetzstraße nur ein Schild - hier soll Norderstedts erster privater Genossenschaftsbau entstehen. Vor einem Jahr informierten Norderstedts Stadtrat Thomas Bosse und die Projektgesellschaft TING zum ersten Mal über das Projekt, eigentlich sollte im Frühjahr Baubeginn sein, doch noch ist der B-Plan für das Baugebiet "Westlich Lawaetzstraße" nicht verabschiedet und so sind die zukünftigen Mieter noch in der Warteschleife. Von den 30 geplanten Wohnungen sind 70 Prozent inzwischen fest vergeben. Die Wohnungen werden zwischen zwei und fünf Zimmern und 50 bis 115 Quadratmeter Wohnfläche haben, die Hälfte sind öffentlich geförderte Wohnungen. Alle Wohnungsnutzer kaufen sich mit Genossenschaftsanteilen ein, doch damit ist es nicht getan: Aus Wohnungsnutzern werden in so einer kleinen, nur auf ein Wohnhaus beschränkten Genossenschaft echte Genossen, wie Gruppenleiterin Jutta Rath erklärt. Sie leitet die Norderstedter Gruppe im Auftrag der Projektgesellschaft bei den monatlichen Treffen, sammelt Wünsche und Ideen und hilft den künftigen Genossen, sich zu organisieren. Gerade ist der Aufsichtsrat gewählt worden, demnächst wollen die Parteien einen Küchenausschuss bilden. Denn als Gruppe können die zukünftigen Wohnungsnutzer bessere Konditionen heraus handeln, als Großkunde auftreten. Zurzeit geht Ting-Projektleiterin Dr. Jasna Baumgarten davon aus, dass im Herbst endlich der erste Spatenstich möglich ist.
So soll der Frederikshof aussehen. Zeichnung: TING Projekt
Über die Verzögerung gab es Enttäuschung bei den künftigen Nachbarn, aber die Gruppe nutzt die Zeit, um möglichst viel Planung für die Wohnungen aber auch die Gemeinschaftsräume abzuschließen. "Gleichzeitig wächst das "Wir-Gefühl", stellt Rath in den Treffen fest. Bei einem Interessententreffen auf dem Bauplatz haben sich viele schon kennengelernt, bei spontan organisiertem Kaffee und Kuchen erste Kontakte zu den zukünftigen Nachbarn geknüpft. Spannend ist dabei, dass die Wohngemeinschaft eine bunte Mischung von jung und alt, Singles, Paaren und Familien in verschiedenen Lebenssituationen werden wird. "Anders als im benachbarten Quickborn mit einem Altersschnitt von etwa 50 Jahren ist hier unser Ziel erreicht: Vom Student bis zum Rentner alle unter einem Dach zu haben", so Baumgarten. Um einen ersten Vorgeschmack auf die geplanten Wohnungen zu haben, hat die Norderstedter Gruppe einen Ausflug nach Quickborn organisiert, sich dort Wohnungen und Gemeinschaftsanlagen angesehen und mit Wohnungsnutzern gesprochen. Jutta Rath, die selbst in einem ähnlichen Wohnprojekt wohnt, hat dabei vor allem eines beobachtet: "Das war eine tolle Motivation. Zu sehen, dass so ein Projekt wirklich funktioniert." Dabei sind noch nicht alle Mitglieder an Bord, acht Wohnungen warten noch auf Genossen - die Hälfte davon sind geförderte Wohnungen.
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 23 2015