Nur für Kinder

Wilde Welt im Stadtpark eröffnet

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Julian hat ein Vogelnest entdeckt. Ganz hinten im Gehölz, hinter Dornen, nach einem spannenden Weg mitten durch die Büsche. Der 7-jährige Erstklässler ist ganz aufgeregt, denn so nah ist er einem Nest noch nie gekommen. Hier in der "Wilden Welt" im Stadtpark gibt es ab sofort Naturerlebnisse für Kinder auf 6.500 Quadratmeter Fläche. Auf Bäume klettern, im Matsch wühlen, Tiere entdecken oder einfach toben: "Hier dürfen Kinder sich so benehmen, wie sie wollen", verspricht Thomas Witte, Vorsitzender des Fördervereins Stadtpark Norderstedt. Für rund 40.000 Euro wurde das Gelände vorbereitet: Ein Eingangssteg gebaut, Lichtungen geschaffen, eine Matschgrube angelegt, Zäune gezogen. 15.000 Euro davon spendete die Spardabank. Schon seit dem vergangenen Herbst liefen die Planungen gemeinsam mit dem Stadtpark, eine EMNID-Studie im Februar bestärkte die Initiatoren in ihrer Idee: "Die Hälfte der 4- bis 12-Jährigen in Deutschland sind noch nie allein auf einen Baum geklettert", zitiert Stadtparkmitarbeiterin Kathleen Nauel die Studie. Das soll mit der Wilden Welt in Norderstedt anders werden. Denn dieses Gelände südlich der Obstbaumwiese, direkt gegenüber des Heil- und Kräutergartens ist ein Gelände exklusiv für Kinder.
Julian hat ein Nest entdeckt und zeigt es seinen Klassenkameradinnen. Foto Nowatzky
"Lediglich Kinder unter sechs Jahren sollten in Begleitung sein", fordert das Schild am Eingang auf. Nauel: "Wir hoffen dass Eltern und Großeltern den Kindern die Chance lassen, hier alleine etwas zu erleben." Bewusst gibt es deshalb in dem Naturerlebnisraum keine Bänke oder andere Sitzgelegenheiten für Erwachsene. Schrammen kann es in der Wilden Welt schon mal geben, wie Thomas Witte schmunzelnd meint. "Wenn ein Kind sich hier an einem Dorn reißt, ist das mal so." Auch dreckige Klamotten sind vorprogrammiert, der kleine Tümpel direkt hinter dem Eingang ist eher eine Matschgrube als ein Teich. "Hier können zum Beispiel Lehmfiguren gebaut werden", schlägt Kathleen Nauel, selbst zweifache Mutter, vor. Doch die ersten Besucher haben eine ganz andere Idee: Zwei erste Klassen der Grundschule Glashütte Müllerstraße dürfen die Wilde Welt als erste ausprobieren. Und am Tümpel sind rund zehn Kinder eifrig dabei, einen Staudamm aus Ästen und Gestrüpp zu bauen. "Genau so ist es gedacht - Hier können Kinder das tun, was im Park sonst so nicht gestattet ist", sagt Nauel. Weil die Spielplätze oft sehr voll sind, duldeten die Parkmitarbeiter bisher auch spielen in den Waldflächen. "Doch eigentlich sind das Naturflächen, die nicht betreten werden sollen. Auch als Rückzug für Tiere", erklärt Nauel. Dafür gibt es ab jetzt die "Wilde Welt".
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 22 2015