Bunt, neu und vor allem - selbstgenäht

Schneiderkurs im Selbstlernzentrum ist echter Renner

Von Stefanie Nowatzky
Langenhorn Es rattert leise aus allen Richtungen, fröhliche Kinderstimmen und das muntere Gespräch der „Schneiderlehrlinge“ bilden einen bunten Klangteppich. Violetta misst sorgfältig den babyrosa Strickstoff aus, später sollen die kleinen Stücke die Ärmel der Kinderjacke aus lila Fleece zieren, die schon fast fertig auf dem Tisch liegt. Für ihre fast zweijährigen Tochter Theodora hat Violetta in bisher 14 Terminen schon zwei Pyjama, Jäckchen, Leggings und Lederschühchen genäht, dazu den Nähmaschinen-Führerschein gemacht und als erstes Lehrstück eine kleine Stofftasche mit Reißverschluss fertiggestellt.
Violetta näht eine kuschelige Fleecejacke für ihre kleine Tochter Foto Nowatzky
Ihre Kursleiterin Sabine Keil leitet seit 25 Jahren bei der Volkshochschule Nähkurse an, jetzt bietet sie ihr Wissen zusätzlich im Selbstlernzentrum im Quartier Käkenflur an. Seit einem Jahr können in dem vom Europäischen Sozialfonds und der Stadt Hamburg geförderten Kursen die Anwohner des Quartiers ganz unterschiedliche Dinge erproben. Ob Sprachen, PC-Kurse oder eben Schneidern.
Werkstücke: Im Schneiderkurs im Selbstlernzentrum werden zunächst gemeinsam Federmäppchen genäht, dann sucht sich jeder ein eigenes Projekt. Foto Nowatzky
Mütter und auch Väter kommen einmal in der Woche, um an dem kostenlosen Schneiderkurs teilzunehmen. Nico (33) näht gerade einen dunkelblauen großen Kissenbezug für ein besonders geformtes Kissen. Die 28-jährige Laura hat die Gardinen im Zimmer ihres Sohnes gekürzt und will nun aus den Stoffresten noch ein Kissen für das Kinderzimmer zaubern. „Ich hatte meine Maschine schon irre lange und hab sie nie benutzt“, erzählt sie. Jetzt ist ihr Ehrgeiz geweckt und sie will ihre Nähprojekte unbedingt schaffen. Auch Nico hatte eine Maschine zu Hause. Der junge Vater war es leid, Hosen zum Schneider zu bringen. „Aber ich habe dann doch nicht genäht“, sagt er. Eher zufällig kam er mit anderen Eltern zum Kurs und freut sich, dass er zukünftig seine Maschine nutzen kann. Den Kurs im EKIZ (Eltern-Kind-Zentrum) Dortmunder Straße zeichnet aus, dass die Kinder mit dabei sein können. Auf einer Krabbeldecke spielen die ganz kleinen, im Nebenraum spielen die etwas älteren Kinder. Auch Violettas Tochter ist mit dabei. Sie trägt bunt gestreifte Leggins, die die Mama selber genäht hat. „Ich hab nie genäht, wusste auch gar nicht, dass es mir Spaß macht“, sagt Violetta. Und so ist das Ziel von Kursleiterin Keil erreicht: „Die Teilnehmer sollen mit der Maschine umgehen können und ein Hobby aus dem Nähen machen können.“ Für den Kurs gibt es schon eine Warteliste, deshalb darf jeder maximal zwei Kurse mitmachen. „Selbermachen ist modern“, erklärt Sabine Keil das große Interesse. Die Modedesignerin und Schneiderin freut sich, wenn in ihrem Kurs viele Dinge entstehen. „Ich habe am Ende immer das Gefühl, ich hätte alles gemacht“, lacht die Schneiderin und genießt, dass ihre „Lehrlinge“ mit einem zufriedenen Gesicht nach Hause gehen. Violetta hat auf jeden Fall den Spaß entdeckt. Nur noch ein Termin, dann ist zwar der Kurs für sie vorbei. Aber ihr nächster Wunsch ist eine eigene Nähmaschine.
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 19 2015