Mit spektakulärem Fund auf Platz 1

Schüler stellen mit Fossilienfund Forscherwelt auf den Kopf

Von Stefanie Nowatzky
Langenhorn Pleistozän, Miozän, Sedimentgestein...die Fachwörter gehören in Florentines Vokabular wie bei anderen Schülern Begriffe wie Führerschein, Lernen oder Hausaufgaben. Die 18-jährige ist gerade mitten im Abitur und hat gleichzeitig einen ersten Platz beim Landeswettbewerb Jugend Forscht abgeräumt. Gemeinsam mit ihrem Projektpartner Ole Karl Keim hat Florentine Mostghimi-Gomi bei ihrer Geologie-Fahrt im vergangenen Herbst einen spektakulären Fund gemacht.
Florentine und Ole haben auf Südzypern die Überreste eines Zwergflusspferdchens gefunden. Vermutlich ist das Tier mehr als 12 Millionen Jahre alt. Foto Nowatzky
Die beiden fanden die Überreste eines Zwergflusspferdes am Rand einer frisch erweiterten Straße auf Zypern. "Wir haben eigentlich nach fossilen Schnecken gesucht", erzählt Florentine. "Und während wir Pause gemacht haben, haben wir fast unsere Kaffekanne auf dem Flusspferd abgestellt", grinst Ole. "Als erstes haben wir die Zahnreihe gesehen und da war gleich klar - das ist etwas ganz großes." Ihren Fund haben die Schüler mit Fotos dokumentiert und dann zu weiteren Untersuchungen mit nach Hamburg genommen. "Wir hatten als Jugend forscht-Gruppe die Erlaubnis, unsere Funde mitzunehmen", erzählt Florentine. "Die Behörden dort haben aber nicht damit gerechnet, dass wir Säugetier-Überreste finden", schmunzelt sie. Mühsam haben die Schüler unter der Leitung von Geographie-Lehrer Wolfgang Fraedrich die Knochen freigelegt, dass harte Gestein außen herum erwies sich dann schnell als sehr alt. "12 bis 15 Millionen Jahre ist das Gestein alt", erklärt der Lehrer. Deshalb hat der Fund der beiden Schüler in der Wissenschaftswelt großes Aufsehen erregt. Ole erzählt warum: "Die Forscher haben bisher gedacht, dass erst vor 250.000 Jahren Zwergflusspferde auf Zypern waren. Wenn unsere Hypothese stimmt, ist das Pferdchen aber schon vor 12 bis 15 Millionen Jahren auf die Insel gekommen." Seit dem ersten Wettbewerbsteil auf Regionalebene haben die beiden 17 und 18-jährigen weiter geforscht. Neben Vorbereitung aufs Abitur und ihren Hobbies wie Segeln, Geige spielen oder unterschiedlichen Sportarten.
Die Zahnleiste des gefundenen Zwergflusspferdes. Die Backenzähne sind fest mit dem 12 Millionen Jahre alten Gestein verschmolzen. Repro Nowatzky
Nebenbei haben sie auch schon festgelegt, wohin es beruflich gehen soll: Medizin will Ole studieren und Florentine Molecular life Science."Das ist ganz typisch", so Fraedrich. "Schüler, die richtig erfolgreich bei Jugend forscht sind, müssen multitaskingfähig sein. Das heißt: Ganz viele Dinge gleichzeitig unter einen Hut bekommen." Zur Unterstützung hatte er zum ersten Mal die gesamte Reisegruppe - außer Florentine und Ole waren noch zwei weitere Jugend forscht Gruppen mit dabei - zu einer zweitägigen Klausurtagung im Herbst eingeladen. "Danach standen die schriftlichen Arbeiten im Rohbau - das war echt gut", erzählt der 17-jährige Forscher Ole. Und offenbar haben die beiden nicht nur einen tollen Fund gemacht, sondern ihn auch hervorragend in ihre Forschungsarbeit eingebracht. Denn nach dem ersten Preis im Regionalwettbewerb folgte jetzt der Landessieg mit Weiterleitung zum Bundeswettbewerb Ende Mai. Weil ihre Ergebnisse so spektakulär sind, hat jetzt die Behörde für Schul- und Berufsbildung zugesagt, ihnen vor dem Bundeswettbewerb eine weitere Forschungsreise nach Zypern zu finanzieren. Anfang Mai wollen sie noch einmal das Gebiet rund um die Fundstelle besuchen und herausfinden, ob das Gestein dort wirklich vor so langer Zeit angekommen ist oder erst später durch Erdrutsch, Erdbeben oder andere Naturereignisse auf die Insel kam. "Je klarer die Intensität und die Breite der Forschung für den Wettbewerb dargestellt wird, desto größer die Chance auf einen vorderen Platz", sagt Lehrer Fraedrich. Und so wollen die beiden Jungforscher auch weiter vorgehen: Unterschiedliche Hypothesen aufstellen und dann die Argumente abwägen. Dabei hoffen sie natürlich, dass ihrer erste Annahme wahr wird: Dass ihr Flusspferdchen tatsächlich schon über 12 Millionen Jahre alt ist
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 17 2015