Katastrophale Sicherheit

Notfall in P&R Garage Garstedt

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt "Da will man helfen und weiß nicht wie", Eike Bahde aus Norderstedt ist empört. Als sie an einem Dienstag Mitte April mit ihrem Auto in die P + R Anlage Garstedt fährt, liegt ein Mann auf dem Boden. Am Kopf ist er Blut überströmt und nicht ansprechbar. Sie stellt ihr Auto ab, inzwischen sind schon zwei weitere Helfer eingetroffen. Eike Bahde wählt den Notruf, doch in der Garage ist kein Empfang. Auch Notrufsäulen gibt es nicht. Schließlich läuft sie die Ausfahrt auf der Seite des Saturn-Marktes hoch, bis sie endlich den Notruf erreicht. Auf dem schmalen Steg der Auffahrt mitten im Baugerüst hatte die 51-jährige Norderstedterin endlich Empfang. Foto Nowatzky "Das P + R-Parkhaus Garstedt ist eines der schlechtesten, die ich seit langem gesehen habe", sagt Carsten Willms, ADAC Verkehrsexperte. "Und ich habe viele gesehen." Bei einem Test im vergangenen Herbst hatte der Automobilclub die mangelnde Sicherheit des städtischen Parkhauses bemängelt. "Keine Notrufsäulen, kein Handyempfang, keine Videoüberwachung", zählt Willms auf. Bei neuen Parkhäusern sei dies Standard, entweder muss Handy-Empfang gewährleistet sein oder Notrufsäulen angebracht werden. Aber in die Jahre gekommene Anlagen wie in Garstedt hätten Bestandsschutz. Stadtsprecher Hauke Borchardt kennt das Problem. Auch die Garage unter dem Rathaus hat keine Notrufsäulen und keinen Handyempfang. "Eine gesetzliche Vorgabe dazu gibt es unseres Erachtens nicht", so der Stadtsprecher. Neben den Garagen gäbe es im Stadtgebiet auch viele andere Plätze, wo ein direkter Notruf nicht möglich sei, beispielsweise in den Waldgebieten. Doch im Notfall zählt jede Minute, wie auch das KBA, an diesem Dienstag von Eike Bahde ins Parkhaus gerufen, bestätigt. "12 Minuten sind die gesetzliche Hilfsfrist, in der wir vor Ort sein müssen", sagt Michael Beitz, Organisatorischer Leiter des Rettungsdienstes. Doch gefühlt dauerte es für die 51-jährige Garstedterin viel länger, bis Hilfe kam. "Ich war erst in der Warteschleife in Hamburg, dann in Norderstedt", zählt sie auf. "Dann hab ich extra gesagt, wir sind an der Seite beim Saturn." Doch das war bei den Rettern nicht angekommen. Und da ihr Fahrzeug nicht in die Garage passt, liefen sie von der nördlichen Eingangsseite einmal durch die Länge des Parkhauses zu dem Verletzten. Als Eigentümer sieht die Stadt zurzeit keinen Anlass, Abhilfe zu schaffen. Doch das zeugnis des ADAC-Experten ist eindeutig: "Die gefühlte und die objektive Sicherheit ist eine Katastrophe."
Erscheint: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 18 2014