Noch sicher?

Stadt fällt Bäume

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt Die Kettensäge kreischt in 10 Metern Höhe über dem Scharpenmoor, Marco Meichßner sägt Stück für Stück die Krone der etwa 120 Jahre alten Eiche herunter. Marco Meichßner ist Baumprofi. Stück für Stück fällt er die Eiche zwischen Scharpenmoor und Sportplatz. Foto NowatzkyDer große Baum direkt an den Sportplätzen ist einer von 21 großen Bäumen, die die Stadt Norderstedt in diesen Tagen fällen lassen muss. "Wir kontrollieren regelmäßig jeden Baum auf Stadtgebiet", erklärt Christoph Lorenzen, Baumexperte im Rathaus. Die Eiche im Scharpenmoor war schon im vergangenen Jahr von "Totholz", abgestorbenen Ästen, in der Krone befreit worden. Doch das reichte nicht aus. "Nicht mehr standsicher", stellte ein Gutachter fest und so kam die Eiche auf die Fäll-Liste. Marco Meichßner und sein Kollege George Vilo fahren jetzt mit ihrem Hubsteiger von Baum zu Baum. Außer der Eiche im Scharpenmoor müssen unter anderem im Malenter Weg und der Falkenbergstraße große Linden gefällt werden, Am Gehölz eine Buche und im Dachsgang eine weithin sichtbare Eiche. "Wir versuchen natürlich, die Bäume zu erhalten", erklärt Lorenzen. Ein großes Loch im Stamm zeugt von den Schäden. Nach etwa 120 Jahren ist diese Eiche nicht mehr standsicher. Foto NowatzkyDoch Sicherheit geht vor und so müssen jedes Jahr einige Bäume dennoch abgeholzt werden. Dabei untersucht Fachagrarwirt Meichßner zuerst, ob schützenswerte Tiere sich im Baum angesiedelt haben. Bis zu 500 verschiedene Tierarten können allein eine Eiche besiedeln. "Ich schaue mit einem Endoskop in vorhandene Löcher", erklärt der Baumexperte. Erst wenn das geklärt ist, setzt er die Kettensäge an. Im Einzelfall kann auch ein Stamm stehen bleiben, wenn sich hier beispielsweise Fledermäuse niedergelassen haben. Am Buchenweg zeugt seit ein paar Tagen eine kronenlose Buche von solch einer möglichen Fledermauswohnung. "Der Stamm ist jetzt standsicher und kann ein paar Jahre als Biotop stehenbleiben", so Stadtmitarbeiter Lorenzen. Am Scharpenmoor entfernt Meichßner inzwischen mit der Säge die Äste von unten nach oben. Später trägt er den Stamm von oben nach unten ab. Über einen Meter Durchmesser hatte der alte Baum, doch der Blick auf die Schnittstelle zeigt große Hohlräume. "Vermutlich wurden die Wurzeln beim Bau des Fußwegs geschädigt", meint der Baumexperte. "Damals hat man da nicht so drauf geachtet." Wenn Meichßner und Vilo fertig sind, kommen noch die Kollegen und fahren das Holz der alten Eiche zum Bauhof an der Friedrich-Ebert-Straße. Von dort wird das Holz als Kaminholz verkauft.
Erschienen: Norderstedter Wochenblatt, Ausgabe 12 2014